Der rechte Hardliner Abelardo De la Espriella hat die Präsidentschaftswahl in Kolumbien mit einem hauchdünnen Vorsprung gewonnen. Sein Sieg ist maßgeblich der Unterstützung von Donald Trump zu verdanken. Nun stellt sich die Frage, ob De la Espriella das Land in eine Autokratie umbauen wird.
Wahlsieg mit Trump-Unterstützung
De la Espriella, ein rechtspopulistischer Kandidat, setzte sich bei der Stichwahl am 21. Juni 2026 mit 50,2 Prozent der Stimmen gegen seine linke Herausforderin durch. Der Vorsprung betrug lediglich 0,4 Prozentpunkte, was etwa 80.000 Stimmen entspricht. Beobachter führen seinen Erfolg vor allem auf die öffentliche Unterstützung durch den ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zurück, der im Wahlkampf mehrfach für ihn geworben hatte.
„Ohne Trumps Hilfe hätte ich nicht gewonnen“, räumte De la Espriella in einer ersten Stellungnahme ein. Der 58-jährige Ex-General hat bereits angekündigt, das politische System Kolumbiens grundlegend zu reformieren. Kritiker befürchten einen autoritären Kurs.
Pläne für eine Verfassungsreform
De la Espriella kündigte an, die Verfassung von 1991 durch eine neue Charta ersetzen zu wollen. Diese solle die Macht des Präsidenten stärken und die Unabhängigkeit der Justiz einschränken. Zudem plant er, das Verfassungsgericht durch ihm treue Richter zu ersetzen. „Wir brauchen eine starke Exekutive, um das Land zu retten“, sagte De la Espriella auf einer Pressekonferenz in Bogotá.
Menschenrechtsorganisationen schlagen Alarm. „De la Espriella will Kolumbien in eine Autokratie verwandeln“, warnt José Miguel Vivanco, Direktor von Human Rights Watch für Amerika. „Seine Pläne erinnern an Viktor Orbán in Ungarn oder Jair Bolsonaro in Brasilien.“
Wirtschaftspolitik und internationale Beziehungen
Wirtschaftlich setzt De la Espriella auf eine Deregulierung und Steuersenkungen für Unternehmen. Er verspricht, die Öl- und Kohleförderung auszuweiten und Umweltauflagen zu lockern. „Kolumbien wird wieder das Land der Möglichkeiten“, erklärte er. Die USA unter Trump haben bereits eine enge Zusammenarbeit angekündigt.
In der Außenpolitik will De la Espriella die Beziehungen zu den USA vertiefen und den Einfluss Chinas und Venezuelas zurückdrängen. Er kündigte an, das Friedensabkommen mit der FARC-Guerilla neu zu verhandeln. „Die Rebellen gehören ins Gefängnis, nicht ins Parlament“, so der Präsident.
Proteste und Widerstand
Die Opposition hat bereits Massenproteste angekündigt. In Bogotá, Medellín und Cali kam es noch am Wahlabend zu spontanen Demonstrationen. Die Sicherheitskräfte waren mit Tränengas und Wasserwerfern im Einsatz. Insgesamt wurden 23 Verletzte gemeldet.
Die internationale Gemeinschaft blickt gespannt auf Kolumbien. Die EU forderte De la Espriella auf, demokratische Prinzipien zu wahren. „Wir werden die Entwicklung genau beobachten“, erklärte ein Sprecher der EU-Kommission. Ob De la Espriella seinen Kurs durchsetzen kann, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.



