Iran rächt Laridschani-Tod: Zwei Tote bei Raketenangriff auf Israel
Bei einem heftigen iranischen Raketenangriff aus Rache für den Tod eines Spitzenfunktionärs der Islamischen Republik sind zwei Menschen in Israel getötet worden. Die iranischen Streitkräfte griffen den jüdischen Staat mit Streumunition an - als Vergeltung für die Tötung von Ali Laridschani, dem Generalsekretär des Nationalen Sicherheitsrats im Iran.
Tödlicher Einschlag in Ramat Gan
Am Einschlagsort in der Stadt Ramat Gan nahe Tel Aviv wurden ein Mann und eine Frau im Alter zwischen 70 und 80 Jahren getötet, wie der Rettungsdienst Magen David Adom mitteilte. Bei dem Angriff setzten die iranischen Streitkräfte Medienberichten zufolge mit Streumunition versehene Gefechtsköpfe ein.
Die Rettungskräfte fanden an der Unglücksstelle ein Bild der Zerstörung vor. „Als wir eintrafen, sahen wir dichten Rauch und Zerstörungen in einem Wohnhaus. Überall lagen Glasscherben und verstreute Gegenstände“, berichtete ein Sanitäter. Die beiden Verletzten waren bewusstlos, hatten keinen Puls und atmeten nicht mehr - angesichts ihrer schweren Verletzungen waren sie nicht mehr zu retten.
Weitere Schäden und Verletzte
Neben dem tödlichen Einschlag in Ramat Gan gab es weitere Schäden durch den Raketenangriff:
- In Bnei Berak östlich von Tel Aviv wurde ein Mann mit leichten Splitterverletzungen an der Hand ins Krankenhaus gebracht
- Am Bahnhof Savidor in Tel Aviv entstanden Schäden, der Zugverkehr wurde vorübergehend eingestellt
- Die Feuerwehr musste wegen mehrerer Brände im Zentrum Israels ausrücken
Die meisten Geschosse konnte die israelische Luftabwehr nach Militärangaben abfangen. Seit Beginn des Iran-Kriegs vor knapp drei Wochen kamen bei Raketenangriffen in Israel nach Angaben von Magen David Adom insgesamt 14 Menschen ums Leben.
Angriffe auf Golfstaaten
Parallel zu den Angriffen auf Israel setzten die iranischen Streitkräfte ihre Attacken auf die Golfstaaten fort, die sie als Mithelfer des israelisch-amerikanischen Angriffskriegs ausgemacht haben:
Vereinigte Arabische Emirate: Eine Rakete schlug in der Nähe des Luftwaffenstützpunktes Minhad ein, der unter anderem von der australischen Luftwaffe genutzt wird. Durch einen von der Rakete verursachten Brand gab es geringfügige Schäden an Unterkünften und einer medizinischen Einrichtung.
Saudi-Arabien: Das Militär fing nahe dem Luftwaffenstützpunkt Prinz Sultan eine ballistische Rakete ab. Teile des Geschosses gingen in der Umgebung des auch von den US-Streitkräften genutzten Stützpunktes nieder, ohne Schäden zu verursachen.
Kuwait: Die kuwaitische Luftabwehr schoss nach eigenen Angaben mehrere Raketen und Drohnen ab.
Saudi-Arabien lud für heute die Außenminister arabischer und islamischer Staaten zu Beratungen über den Iran-Krieg ein.
Einschlag auf AKW-Gelände und weitere Entwicklungen
Im Zuge der Angriffe Israels und der USA auf den Iran schlug nach Angaben aus Teheran ein Geschoss auf dem Gelände des Atomkraftwerks Buschehr ein. Das Kraftwerk selbst sei nicht beschädigt worden, teilten die iranischen Behörden der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) mit. Es habe auch keine Verletzten gegeben.
IAEA-Generaldirektor Rafael Grossi rief zu höchster Zurückhaltung in dem Konflikt auf, um einen nuklearen Unfall zu vermeiden. Die Atomanlage Buschehr ist das einzige iranische Kernkraftwerk und liegt etwa 760 Kilometer südlich von Teheran am Persischen Golf.
Militärische Reaktionen
USA: Die US-Streitkräfte warfen bunkerbrechende Bomben auf besonders geschützte iranische Raketenstellungen an der Straße von Hormus ab - einer strategisch wichtigen Meerenge, über die große Mengen Öl verschifft werden. Mehrere der Bomben mit einem Gewicht von jeweils knapp 2,3 Tonnen seien erfolgreich eingesetzt worden.
Israel: Die israelische Luftwaffe griff erneut Ziele im Süden des Libanons an. Die Angriffe galten der Infrastruktur der vom Iran unterstützten Terrororganisation Hisbollah. Zuvor hatten die israelischen Streitkräfte Bürger in der südlibanesischen Stadt Tyros zur Flucht aufgefordert, nachdem laut Armeeangaben Raketen aus der Region auf Israel abgefeuert worden waren.
Israels Militär geht zuletzt wieder massiv gegen die schiitische Hisbollah-Miliz im Libanon vor. Der Einsatz begann infolge von Raketenangriffen aus dem nördlichen Nachbarland und beschränkte sich zunächst auf Luftangriffe, inzwischen gibt es aber auch Einsätze am Boden.



