Hormus-Straße: Geöffnet, aber unpassierbar - Das Rätsel um die strategische Meerenge
Die Nachricht von der Öffnung der Straße von Hormus sorgte weltweit für Erleichterung, fallende Ölpreise und sogar ein persönliches „Thank you“ vom US-Präsidenten höchstpersönlich. Der Iran hatte am Freitag verkündet, die strategisch wichtige Meerenge für den internationalen Handelsschiffsverkehr zu öffnen. Doch bereits in den Stunden nach dieser Ankündigung zeigte sich eine ganz andere Realität: Ganz so einfach kommen Öltanker und andere Handelsschiffe doch nicht durch die enge Passage zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman.
Schiffe brechen Durchfahrtsversuche ab
In der Nacht zu Samstag deutscher Zeit häuften sich die Meldungen, dass Schiffe die Meerenge nicht einfach passieren könnten, wie zunächst angenommen worden war. Die renommierte Datenfirma Kpler meldete, dass für die Durchfahrt eine spezielle Genehmigung erforderlich sei. Wenig später brachen rund zwanzig Handelsschiffe ihre Versuche ab, die Straße von Hormus zu durchqueren. Schiffsbewegungsdaten zufolge drehten Containerschiffe, Massengutfrachter und Tanker wieder um. Der genaue Grund für diese Kehrtwende blieb zunächst im Unklaren.
Zu den betroffenen Schiffen gehören auch drei Containerschiffe der französischen Reederei CMA CGM. Das Unternehmen lehnte eine Stellungnahme gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters ab und verstärkte damit das Rätsel um die Vorgänge in der strategisch so wichtigen Wasserstraße.
Neue Spannungen zwischen Teheran und Washington
Nach der von Teheran verkündeten Öffnung der Meerenge entwickelten sich sofort neue diplomatische Spannungen zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten. Laut iranischen Staatsmedien müssen alle Handelsschiffe eine vom Iran festgelegte Route nutzen und sich mit der Marine der Revolutionsgarde abstimmen. Diese Bedingungen stellen de facto eine Kontrolle der Durchfahrt durch iranische Behörden dar.
US-Präsident Donald Trump (79) hielt indessen die amerikanische Seeblockade für Schiffe mit Start- oder Zielhafen im Iran aufrecht. Auf der Plattform Truth Social schrieb er, die Blockade bleibe „bis zum vollständigen Abschluss unserer Vereinbarungen mit dem Iran“ bestehen. Diese Ankündigung sorgte in Teheran für massive Empörung und verschärfte die ohnehin angespannte Lage weiter.
Iran droht den USA mit Konsequenzen
Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Ismail Baghai, reagierte scharf auf die amerikanische Haltung und drohte den USA sogar mit Konsequenzen. Er erklärte: „Die sogenannte Seeblockade stellt einen Verstoß gegen die Waffenruhe dar und wird eine angemessene Reaktion des Irans zur Folge haben.“ Baghai betonte zudem, dass über die Öffnung oder Schließung der Straße sowie die geltenden Bestimmungen vor Ort entschieden werde – „nicht durch soziale Medien“.
Der iranische Diplomat warf Trump vor, falsche Behauptungen aufgestellt zu haben, die auch in laufenden Verhandlungen nicht weiterführen würden. Die Situation an der Straße von Hormus bleibt damit weiterhin unklar und angespannt, während die internationale Schifffahrt auf eine dauerhafte Lösung für die Passage dieser lebenswichtigen Handelsroute wartet.



