Israel-Präsident Herzog: „Letztes Kriegskapitel vielleicht erreicht“ – Interview endet mit Raketenalarm
Jerusalem – Am elften Tag des Iran-Krieges empfängt Israels Präsident Jitzchak Herzog (65) den BILD-Reporter Til Biermann in seiner Residenz Beit HaNassi in Jerusalem. Es ist das erste Interview mit einem deutschen Medium seit Kriegsbeginn. Herzog wirkt freundlich, aber deutlich müde und angespannt. Die Bedrohung durch iranische Raketen ist allgegenwärtig – selbst während des Gesprächs schrillt plötzlich ein Raketenalarm auf den Handys.
„Iran ist Quelle der Sabotage jedes Friedensprozesses“
BILD: Es ist nun der elfte Kriegstag. Wann ist die Mission erfüllt?
Präsident Jitzchak Herzog: „Ich komme gerade aus dem Norden zurück, aus dem Golan und Nordisrael. Dort herrscht ein ungeheurer Geist – die Menschen wollen echte Veränderung. Ich besuchte eine drusische Familie, deren Sohn im Libanon gefallen ist. Für sie dient sein Kampf dem wirklichen Frieden im Nahen Osten. Um diesen Wandel zu erreichen, müssen wir die Iraner bekämpfen. Sie sind die Quelle für die Sabotage jedes Friedensprozesses in der Region und verbreiten weltweit Chaos und Terror.“
Ölreserven und Kriegsmaschinerie
BILD: Es gibt Stimmen, die Israels Angriffe auf Ölreserven als zu weitgehend kritisieren.
Herzog: „Ich habe das selbst überprüft. Es handelt sich nicht um Reserven des iranischen Volkes, sondern um Öl, das vom Militär gelagert und zur Kontrolle des Volkes oder für Geldwäsche genutzt wird. Es wird der Kriegsmaschinerie entzogen, die es zur Finanzierung ihrer Operationen verwendet.“
„Zusammenhängender Krieg seit dem 7. Oktober“
BILD: Nach dem Gaza-Krieg nun der Iran-Krieg…
Herzog: „Es ist ein zusammenhängender Krieg, der am 7. Oktober begann. Vielleicht erreichen wir das letzte Kapitel, indem wir die gesamte Konfiguration des Nahen Ostens verändern. Ich lobe Präsident Trump für seine Führung und gezielten Bemühungen. Wenn wir die iranische Bedrohung beseitigen, kann die Region wieder atmen. Wir schützen Europa, indem wir dies tun.“
Hisbollah als iranischer Stellvertreter
BILD: Können die USA helfen, die Hisbollah abzuwehren?
Herzog: „Wir bekämpfen die Hisbollah mit harten Maßnahmen. Sie ist ein Stellvertreter des Irans, bis zum Hals mit Waffen gefüttert. Der Iran nimmt das Geld seines Volkes für Terror weltweit – warum braucht er Zellen in Brasilien, Australien oder Europa? Die Welt muss sagen: ‚Genug ist genug.‘ Ich lobe Bundeskanzler Merz für seine klaren Worte an Israels Seite.“
Massaker und Regimewechsel
BILD: Das Regime verübte ein Massaker an etwa 50.000 Menschen.
Herzog: „Meine Daten zeigen 50.000 Opfer. Es ist eine Lektion: Grausamkeit muss mit Stärke begegnet werden, ohne mit der Wimper zu zucken. Jetzt ist die Zeit, sie vollständig zu untergraben.“
BILD: Kann sich das iranische Volk ohne ausländische Truppen wehren?
Herzog: „Es ist ein grausames Regime, aber ich glaube an den Geist der 90 Millionen Iraner. Dies ist eine historische Chance, die Zukunft des Irans zu verändern und zum Frieden überzugehen. Ich sah Iraner und Israelis in London gemeinsam tanzen. Dennoch bin ich nicht naiv – es bleibt ein grausames, aber geschwächtes Regime.“
Kriegsziele und Raketenabwehr
BILD: Wann ist Israels Mission erfüllt?
Herzog: „Ich habe keine exekutive Gewalt, aber verfolge alles genau. Diese Kriegsmaschinerie war riesig – sie muss eingedämmt werden. Wir sprechen von Raketen, die 300 Kilometer hoch fliegen, in den Weltraum eintreten und dann auf uns herabstürzen. Durch ‚Star Wars‘-ähnliche Technologien fangen wir sie ab. Dieses Imperium des Bösen verbreitet es überall, und wir müssen hart genug sein, um es zu stoppen.“
Heuchelei der Demonstranten
BILD: Es gab viele Demonstrationen gegen den Gaza-Krieg, aber kaum gegen das iranische Massaker.
Herzog: „Das zeigt die Heuchelei dieser Demonstranten. Sie hätten vor iranischen Botschaften laut sein müssen. Aber es ist alles Politik. Wir wollten den Gaza-Krieg nicht, fanden eine riesige Terrorinfrastruktur. Nur 30 Prozent der Tunnel sind beseitigt – 70 Prozent sind noch da. Ich unterstütze die US-Bemühungen für die nächste Phase in Gaza.“
Netanjahu-Begnadigung und Verfassungstreue
BILD: Präsident Trump sagte, Sie hätten fünfmal versprochen, Netanjahu zu begnadigen.
Herzog: „Nein, es ist sehr klar. Präsident Trump ist eine große Führungspersönlichkeit, aber ich bin der Präsident Israels und an unsere Verfassung gebunden. Es gibt einen Prozess – ich prüfe es ernsthaft nach den Regeln. Normalerweise dauert das vier bis acht Monate. Ich bin dem israelischen Recht verpflichtet.“
Raketenalarm beendet Interview
Während des Gesprächs ertönt plötzlich ein Raketenalarm in Jerusalem. Präsident Herzog überprüft die Zielrichtung und bringt den Reporter, seine Frau und Soldaten kurzerhand in einen gesicherten Flur unter der Residenz. Dort warten sie, bis die Bedrohung vorbei ist. Die ballistische Rakete aus dem Iran wird vom israelischen „Arrow 3“-System im Weltraum abgefangen – genau das, was Herzog zuvor als „Star Wars“ bezeichnete.
Das Interview endet damit abrupt, doch die Botschaft des Präsidenten bleibt klar: Der Kampf gegen den Iran ist entscheidend für eine friedliche Zukunft im Nahen Osten, und Israel wird nicht nachlassen, bis diese Bedrohung neutralisiert ist.



