Verteidigungsminister verwechselt Bibelstelle mit Filmzitat bei militärischer Andacht
In einer bemerkenswerten Verwechslung hat US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einem Gottesdienst im Pentagon fast vollständig einen berühmten Monolog aus Quentin Tarantinos Kultfilm »Pulp Fiction« vorgetragen, während er vermeintlich einen Bibelvers zitieren wollte. Der Vorfall ereignete sich während einer Andacht, bei der sich Hegseth auf eine Rettungsmission für einen abgeschossenen US-Kampfpiloten im Iran bezog.
Filmmonolog statt alttestamentarischer Verse
Hegseth erklärte den Anwesenden, das Gebet sei während der Combat-Search-and-Rescue-Mission »Sandy One« im Iran verwendet worden und beziehe sich auf Hesekiel 25:17 aus dem Alten Testament. Anschließend forderte er die Versammlung auf, mit ihm zu beten, und trug folgenden Text vor:
»Der Pfad des abgestürzten Piloten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der die Armen der Kameradschaft und der Pflicht, die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und da steht weiter: Ich will große Rache an denen üben, die da versuchen, meine Brüder gefangenzunehmen und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren, mein Rufzeichen ist Sandy One, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!«
Tarantinos ikonischer Text fast wortgetreu übernommen
Filmkenner erkennen sofort die frappierende Ähnlichkeit zu Samuel L. Jacksons ikonischem Monolog als Auftragskiller Jules Winnfield in Tarantinos preisgekrönter Krimigroteske von 1994. In der deutschen Synchronfassung sagt Jackson unmittelbar vor der Erschießung eines Opfers:
»Der Pfad der Gerechten ist auf beiden Seiten gesäumt mit Freveleien der Selbstsüchtigen und der Tyrannei böser Männer. Gesegnet sei der, der die Armen der Barmherzigkeit und des guten Willens, die Schwachen durch das Tal der Dunkelheit geleitet, denn er ist der wahre Hüter seines Bruders und der Retter der verlorenen Kinder. Und da steht weiter: Ich will große Rachetaten an denen vollführen, die da versuchen, meine Brüder zu vergiften und zu vernichten, und mit Grimm werde ich sie strafen, dass sie erfahren, ich sei der Herr, wenn ich meine Rache an ihnen vollstreckt habe!«
Medien weisen auf gravierenden Unterschied zur tatsächlichen Bibelstelle hin
US-Medien und Blogs wiesen umgehend auf die Verwechslung hin. Die tatsächliche Bibelstelle Hesekiel 25:17 ist deutlich kürzer und lautet sinngemäß: »Ich nehme an ihnen gewaltige Rache, mit grimmigen Strafen. Dann werden sie erkennen, dass ich der Herr bin, wenn ich mich an ihnen räche.« Der Rest des von Hegseth zitierten Textes stammt aus einem alten Kampfsportfilm, den Tarantino für seinen Film adaptierte.
Politische Einordnung und zeitlicher Kontext
Der Vorfall ereignet sich in einer politisch angespannten Phase, in der US-Präsident Donald Trump öffentlich mit dem Papst streitet und Tabubrüche fester Bestandteil seiner Kommunikationsstrategie sind. Hegseths Verwechslung zwischen Filmzitat und religiösem Text unterstreicht die ungewöhnliche Dynamik innerhalb der aktuellen US-Administration, bei der traditionelle Grenzen zwischen Politik, Religion und Popkultur zunehmend verschwimmen.
Die Andacht im Pentagon fand im Kontext einer Rettungsmission statt, bei der ein US-Kampfpilot aus dem Iran evakuiert wurde. Hegseths Bezugnahme auf die Mission »Sandy One« und die Anpassung des Filmzitats an diesen militärischen Kontext zeigt, wie popkulturelle Referenzen in offizielle Ansprachen integriert werden.



