Ägypten hat das neue Hauptquartier seiner Streitkräfte eingeweiht – mit einer Fläche von rund 90 Quadratkilometern ist es das größte seiner Art weltweit und übertrifft das Pentagon. Der Komplex namens „Octagon“ liegt in der neuen Verwaltungshauptstadt östlich von Kairo und kostete schätzungsweise 50 Milliarden Euro. Dies geschieht inmitten einer der schwersten Wirtschaftskrisen des Landes seit Jahrzehnten, mit einer Auslandsverschuldung von umgerechnet 143 Milliarden Euro.
Einweihung mit Militärzeremonie
Präsident Abdel Fattah el-Sisi, selbst Ex-General, zeigte sich bei der Eröffnung erstmals seit mehr als zehn Jahren in Militäruniform. Er bezeichnete den Komplex als „Beweis für den Willen einer Nation, die das Unmögliche nicht kennt“. Auf dem Weg zum Octagon wurde er von Kampfhubschraubern begleitet und besichtigte militärisches Gerät. Der Name „Octagon“ verweist auf acht zentrale, achteckige Gebäude – eine Anspielung auf das Pentagon, den bisher größten Verteidigungsbau.
Wirtschaftskrise und IWF-Hilfen
Ägypten leidet unter den Folgen der Kriege in Gaza, Sudan und Libyen sowie des Konflikts im Nahen Osten. Die Sicherheitslage im Land ist vergleichsweise stabil, doch die Wirtschaft steckt in einer tiefen Krise. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat sein Kreditprogramm für Ägypten im März 2024 von drei auf acht Milliarden Dollar aufgestockt und prüft nun eine weitere Auszahlung von rund 1,6 Milliarden Dollar. „Man habe sich auf Arbeitsebene auf die Überprüfung zweier Finanzvereinbarungen geeinigt“, teilte der IWF am Montag mit. Die endgültige Auszahlung steht unter Vorbehalt der Zustimmung des Exekutivdirektoriums.
Kritik an Megaprojekten
Viele Ägypter machen Sisi und seine Megaprojekte für die Wirtschaftskrise verantwortlich. Die Teuerungsrate lag im Mai bei 14,6 Prozent. Der IWF empfahl Ägypten, eine straffe Geldpolitik beizubehalten und Privatisierungspläne rasch umzusetzen, um das Wachstum des Privatsektors zu fördern. Trotz der Krise setzt die Regierung auf Prestigeprojekte wie das Octagon, das die Größe Lissabons erreicht.



