Berlins Schulen und die Bundeswehr sollen künftig enger zusammenarbeiten. Eine entsprechende Vereinbarung will Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) am kommenden Montag unterzeichnen. Ziel ist der Einsatz von Jugendoffizieren zur Bereicherung des politischen Unterrichts. Die Senatsverwaltung spricht von einer Formalisierung einer „langjährigen Zusammenarbeit mit Schulen in Berlin“.
GEW kritisiert Einfluss der Bundeswehr
Die Berliner Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW) erhob am Freitag scharfen Protest gegen das Vorhaben. „Schulen dürfen keine Orte für indirekte Nachwuchsgewinnung der Bundeswehr sein. Bei Veranstaltungen von Jugendoffizieren verschwimmen die Grenzen zwischen Information und Werbung“, erklärte Co-Vorsitzende Felicia Kompio.
Mit der Vereinbarung werde der Einfluss der Bundeswehr auf schulische Bildung „systematisch ausgebaut und institutionell verankert“. Dies widerspreche dem Auftrag zur Friedenserziehung im Berliner Schulgesetz. Politische Bildung gehöre in die Hände ausgebildeter Lehrkräfte. Die Einbeziehung von Jugendoffizieren normalisiere „militärische Perspektiven auf internationale Konflikte“. Für Ausgewogenheit müssten auch friedenspolitische Akteure einbezogen werden, die jedoch über weniger Ressourcen verfügten.
Kritik an Rekrutierung Minderjähriger
Kompio kritisierte zudem, dass die Bundeswehr Minderjährige rekrutiere und den Dienst an der Waffe auf Plakaten und Youtube-Videos als Abenteuer darstelle. In Zeiten, in denen Kriegstüchtigkeit als politisches Ziel propagiert werde, bekräftige die GEW „den Auftrag zur Friedenserziehung sowie zur Erhaltung und Wahrung des Friedens“. Die Schulbeschäftigten hätten auf Personalversammlungen die Präsenz der Bundeswehr deutlich abgelehnt. „Diese Haltung der Kollegen aus der Praxis darf die Senatsverwaltung nicht ignorieren“, hieß es.
Die GEW fordert die Senatsverwaltung auf, von der Unterzeichnung der Vereinbarung Abstand zu nehmen und stattdessen auf eine unabhängige politische Bildung zu setzen. Die Gewerkschaft betont, dass die Bundeswehr kein geeigneter Partner für Schulen sei, um Friedensbildung zu vermitteln.



