Bachfest in Leipzig: Star-Dirigent Gardiner soll Mitarbeiterin belästigt haben
Gardiner bei Bachfest: Vorwurf der Belästigung

Ein Vorfall beim diesjährigen Bachfest in Leipzig überschattet die traditionsreiche Veranstaltung: Dem international renommierten Dirigenten John Eliot Gardiner wird vorgeworfen, sich einer Mitarbeiterin des Veranstaltungsteams gegenüber grenzüberschreitend verhalten zu haben. Laut einer Mitteilung des ausrichtenden Bach-Archivs, über die die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, soll Gardiner der Frau nach einem Konzert am Dienstagabend eine Papierrolle in den Ausschnitt ihres T-Shirts gesteckt haben. Auch MDR Kultur berichtet über den Vorfall und gibt an, ein Video der mutmaßlichen Tat zu besitzen.

Strafanzeige und polizeiliche Ermittlungen

Die betroffene Mitarbeiterin hat inzwischen Strafanzeige bei der Polizei erstattet, wie eine Polizeisprecherin der dpa mitteilte. Die Ermittlungen laufen. Der Vorfall ereignete sich unmittelbar nach dem Konzert, als die Mitarbeiterin Gardiner als Dankeschön eine Schriftrolle überreichen wollte. Nach Darstellung des Veranstalters habe Gardiner die Rolle genommen und versucht, sie der Frau an ihre Halskette oder in den Ausschnitt ihres T-Shirts zu stecken. Der Intendant des Bachfestes, Michael Maul, bezeichnete das Verhalten des Dirigenten als „rüpelhaft“. Gardiner habe „wohl in dem Moment nicht überblickt, dass die Mitarbeiterin auf ihn zukam, um sich zu bedanken“, so Maul. Er nannte den Vorfall „ärgerlich“.

Entschuldigung, aber keine Einsicht bei Übergriffsvorwurf

In einem anschließenden Gespräch habe Gardiner sein Fehlverhalten eingeräumt und sich entschuldigt, sagte Maul. Den Vorwurf eines sexuellen Übergriffs wies der Dirigent jedoch zurück. Sein Sprecher teilte MDR Kultur mit, Gardiner habe die Rolle „kurzzeitig unter die Kette platziert, die die Dame um den Hals getragen habe“. Dies sei „in einem Moment aufrichtiger Verwirrung“ geschehen, da der Kontakt für ihn unerwartet erfolgt sei. Die Version des Dirigenten widerspricht damit der Darstellung der Mitarbeiterin und des Veranstalters.

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Kein Einzelfall: Frühere Gewaltvorwürfe gegen Gardiner

Es ist nicht das erste Mal, dass John Eliot Gardiner mit Fehlverhalten in Verbindung gebracht wird. Bereits 2023 soll er einen jungen Sänger ins Gesicht geschlagen haben, weil dieser nach einem Konzert bei der Applausordnung auf der falschen Seite abgegangen sei. Damals gab Gardiner an, sich professionelle Hilfe suchen zu wollen. Dennoch blieb er weiter als Dirigent tätig und wurde zu Festivals eingeladen. Der aktuelle Vorfall in Leipzig könnte nun weitere Konsequenzen haben. Das Bach-Archiv und die Festivalleitung haben den Vorfall dokumentiert und kooperieren mit den Ermittlungsbehörden. Ob Gardiner bei künftigen Bachfesten noch auftreten wird, ist offen.

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