Finnlands Präsident warnt vor globaler Rezession durch Iran-Krise
Helsinki – Der finnische Präsident Alexander Stubb (57) hat in einem exklusiven Interview mit POLITICO deutliche Warnungen vor den wirtschaftlichen Folgen der aktuellen Weltlage ausgesprochen. Besonders die Entwicklungen im Iran könnten laut Stubb eine globale Rezession auslösen, die schlimmere Auswirkungen haben könnte als die Corona-Pandemie.
Wirtschaftliche Kettenreaktion droht
Der finnische Staatschef zeigte sich im Gespräch mit Korrespondent Tim Ross besorgt über die zunehmende Instabilität der internationalen Ordnung. Regionale Konflikte nähmen zu, während internationale Regeln an Bedeutung verlören. Eine Quelle aus dem Globalen Süden habe ihm mitgeteilt, dass die aktuelle Entwicklung im Iran „schlimmer werden als die Corona-Pandemie“ könne. Stubb kommentierte diese Einschätzung mit den Worten: „Ich denke, damit müssen wir rechnen.“
Sollte sich die Krise im Nahen Osten weiter ausweiten, drohe laut dem finnischen Präsidenten eine gefährliche Kettenreaktion: steigende Energiepreise, teurere Lebensmittel und wachsende wirtschaftliche Belastungen weltweit. Diese Entwicklung könnte zu einer globalen Rezession führen, die die Weltwirtschaft stärker treffen würde als die Pandemie der vergangenen Jahre.
Gefahr regionaler Kriege und stockende Friedensbemühungen
Von einem dritten Weltkrieg möchte Stubb zwar nicht sprechen, warnt aber vor einer bedrohlichen Eskalation. „Was wir jetzt erleben, ist eine Eskalation hin zu regionalen Kriegen: Russland gegen die Ukraine, Israel gegen Palästina, Israel und die USA gegen Iran, Iran gegen die Golfstaaten“, analysierte der Präsident. Er betonte die Notwendigkeit, alles zu tun, um zu deeskalieren und eine weitere Ausbreitung dieser Konflikte zu verhindern.
Im Ukraine-Konflikt zeigt sich Stubb deutlich pessimistischer als noch im Herbst des vergangenen Jahres. Die Friedensbemühungen seien mit „Putins politischer Realität“ kollidiert, und es gebe keinerlei Anzeichen dafür, dass die russische Seite ernsthaft an einem Friedensabkommen interessiert sei. Zwar sei die Ukraine militärisch besser aufgestellt als vor einem Jahr und die Finanzierung gesichert, doch eine schnelle Lösung des Konflikts erwarte er nicht.
Komplizierte Beziehungen zu den USA
Der finnische Präsident, der vor einem Jahr auf einem Golfplatz in Florida eine ungewöhnlich enge Beziehung zu US-Präsident Donald Trump (79) aufgebaut hatte, äußerte sich auch zur möglichen Zusammenarbeit mit Washington im Iran-Konflikt. Eine Kooperation schließt er nicht aus, zieht aber klare Grenzen: „Wir müssen begreifen, dass die derzeitige US-Regierung eher transaktional agiert“ – also rein zweckorientiert.
Stubb betonte: „Der Iran-Krieg ist nicht mein Krieg. Die Ukraine ist mein Krieg.“ Finnland sei zwar bereit zu helfen, wolle aber nicht in den Iran-Konflikt hineingezogen werden. Persönlich stehe er zwar noch mit Trump in Kontakt, allerdings seltener als zuvor. Die informellen Gespräche würden auch den Iran betreffen.
Stockende trilaterale Gespräche
Die Friedensgespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine liegen derzeit auf Eis. Stubb erklärte, es habe drei trilaterale Gesprächsrunden gegeben, aber für die nahe Zukunft seien keine weiteren Treffen geplant. „Das könnte an Iran liegen, es kann aber auch daran liegen, dass sie an ihre Grenzen gestoßen sind“, mutmaßte der finnische Präsident.
Mit Blick auf die USA hofft Stubb, dass Trump das Engagement in der Ukraine nicht zurückfährt. Gleichzeitig betonte er, Europa habe zuletzt „den Großteil der eigentlichen Arbeit geleistet“ – abgesehen vom nachrichtendienstlichen Bereich. Für den Sommer prognostiziert der finnische Staatschef eine Fortsetzung des Ukraine-Krieges ohne schnelle Lösung, auch weil der Iran-Konflikt derzeit viel internationale Aufmerksamkeit bindet.



