Europa plant eigenständige Hormus-Mission ohne US-Beteiligung nach Kriegsende
Europa plant Hormus-Mission ohne USA nach Kriegsende

Europa bereitet eigenständige Sicherheitsmission für Straße von Hormus vor

Nach einem aktuellen Bericht des Wall Street Journal arbeiten europäische Staaten intensiv an Plänen für eine eigenständige Sicherheitsmission in der strategisch bedeutsamen Straße von Hormus. Das Besondere daran: Die Vereinigten Staaten von Amerika sollen ausdrücklich nicht an dieser Operation beteiligt werden. Im Zentrum der Überlegungen stehen dabei die beiden europäischen Schlüsselstaaten Großbritannien und Frankreich, die eine defensive Mission konzipieren, um Reedereien das notwendige Vertrauen für die erneute Nutzung dieser lebenswichtigen Schifffahrtsroute zu geben.

Deutschland als möglicher entscheidender Partner

Wie das renommierte Wirtschaftsblatt unter Berufung auf einen hochrangigen deutschen Beamten weiter berichtet, dürfte sich auch die Bundesrepublik Deutschland an diesem ambitionierten Vorhaben beteiligen – und dabei sogar eine zentrale Rolle übernehmen. Eine deutsche Zusage würde das gesamte Projekt erheblich stärken, heißt es in den Kreisen der Planer. Deutschland verfüge nicht nur über größere finanzielle Ressourcen als London und Paris, sondern auch über spezifische militärische Fähigkeiten, die für einen solchen sensiblen Einsatz dringend benötigt werden.

Der französische Präsident Emmanuel Macron plant bereits für diesen Freitag ein hochrangiges Treffen, bei dem die konkrete Überwachung der Straße von Hormus nach dem Ende der aktuellen Kampfhandlungen diskutiert werden soll. Macron sprach laut den Informationen des Wall Street Journal von einer internationalen Verteidigungsmission, die bewusst ohne Beteiligung der „kriegsführenden“ Staaten – also ohne USA, Israel und Iran – auskommen soll. Europäische Marineschiffe würden dabei nicht unter amerikanischem Kommando stehen.

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Politisch sensibles Timing und Bedingungen

Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot betonte mit Nachdruck: „Die Mission, auf die wir uns beziehen, könnte erst eingesetzt werden, wenn die Ruhe wiederhergestellt ist und die Feindseligkeiten beendet sind.“ Diese klare zeitliche Bedingung unterstreicht den defensiven Charakter des geplanten Einsatzes. Über das weitere konkrete Vorgehen wollen Macron und der britische Premierminister Keir Starmer bereits an diesem Freitag mit zahlreichen weiteren Staaten beraten.

Starmer soll persönlich an dem Treffen in Paris teilnehmen, während viele andere interessierte Länder per Videokonferenz zugeschaltet werden. Die USA sind zu diesem Austausch ausdrücklich nicht eingeladen – ein politisch äußerst heikler Ansatz. Französische Diplomaten sehen eine amerikanische Beteiligung kritisch, weil sie die Mission für den Iran schwerer akzeptabel machen könnte. Britische Beamte befürchten hingegen, dass ein Ausschluss Washingtons den amtierenden US-Präsidenten Donald Trump verärgern könnte.

Deutsche Beteiligung an Minenräumung und Überwachung

Für Deutschland könnte vor allem im Bereich der Minenräumung und der maritimen Überwachung eine zentrale Funktion zukommen. Der ausgearbeitete Plan verfolgt drei klare Hauptziele:

  • Zunächst soll die Ausfahrt der derzeit in der Straße von Hormus festliegenden Schiffe ermöglicht werden
  • Anschließend sind großangelegte Minenräumarbeiten geplant, um weitere sichere Passagen zu schaffen
  • Schlussendlich soll durch militärische Begleitung die Sicherheit für die internationale Schifffahrt dauerhaft gewährleistet werden

Der Sicherheitsexperte Mujtaba Rahman von der Eurasia Group erklärte dem Wall Street Journal: „Irgendwann wird es ein Begleitsystem oder irgendeine Form von Konvoi geben müssen, um Schiffe zu schützen. Versicherer und Reeder werden diesen Schutz wahrscheinlich verlangen.“ Die Straße von Hormus gilt als absolutes Nadelöhr des globalen Ölhandels – der Iran hatte die wichtige Wasserstraße bereits kurz nach Kriegsbeginn vermint.

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Deutsche Voraussetzungen und ungewöhnliches Szenario

Für Berlin ist eine Beteiligung allerdings an klare politische und rechtliche Bedingungen geknüpft. Es wäre ein formelles Bundestagsmandat erforderlich, das wiederum ein belastbares internationales Mandat voraussetzt. Deutschland könnte bei positiver Entscheitung Schiffe entsenden, darunter spezialisierte Minensucher aus Kiel, und sich aktiv an der Überwachung der Schifffahrtsroute beteiligen.

Damit zeichnet sich ein außergewöhnliches und historisch bedeutsames Szenario ab: Europa bereitet sich erstmals auf einen sicherheitspolitisch höchst sensiblen Einsatz im Persischen Golf vor – und dies bewusst ohne die traditionelle Führungsmacht Vereinigte Staaten von Amerika. Diese Entwicklung markiert einen möglichen Wendepunkt in der europäischen Sicherheits- und Außenpolitik.