EU-Abgeordnete fordern Ende der Zeitumstellung: Gesundheitsrisiken und politischer Stillstand
In der Nacht vom 28. auf den 29. März werden die Uhren erneut eine Stunde vorgestellt – von 2 Uhr auf 3 Uhr. Diese umstrittene halbjährliche Praxis steht erneut im Fokus der Europäischen Union. Der Schwäbischen Zeitung liegt exklusiv ein Schreiben der EVP-Fraktion an alle EU-Verkehrsminister vor, das die sofortige Abschaffung der Zeitumstellung fordert.
Brandbrief aus Brüssel: „Richtlinie ist völlig überholt“
Der Ravensburger EU-Abgeordnete Norbert Lins, bekannt für seine Kritik an der Zeitumstellung, hat gemeinsam mit Peter Liese ein dringliches Schreiben initiiert. „Die negativen Auswirkungen auf den Schlaf und den Biorhythmus sind mittlerweile gut belegt“, erklärt Lins. „Die erhofften Energieeinsparungen aus den 80er-Jahren spielen kaum noch eine Rolle.“
In dem Brandbrief heißt es wörtlich: „Die Richtlinie ist völlig überholt. Wie Sie wissen, ergab eine öffentliche Konsultation der Europäischen Kommission, dass 84 Prozent der Befragten für die Abschaffung der Zeitumstellung sind. Es ist nun an der Zeit, von Erklärungen zu konkreten Maßnahmen überzugehen.“
Gesundheitsprobleme besonders bei Frauen
Eine aktuelle Forsa-Umfrage im Auftrag der DAK-Gesundheit bestätigt die gesundheitlichen Risiken der Zeitumstellung. Die Ergebnisse sind alarmierend: Fast 40 Prozent der Frauen haben nach dem Uhrendreh Beschwerden verspürt, während es bei Männern nur 22 Prozent sind. Die häufigsten Probleme umfassen:
- Starke Müdigkeit und Erschöpfung
- Anhaltende Schlafstörungen
- Konzentrationsschwierigkeiten
- Erhöhte Gereiztheit und Stimmungsschwankungen
Politische Blockade und Zeitzonen-Streit
Seit Jahren können sich die EU-Verkehrsminister nicht auf eine einheitliche Lösung einigen. Während einige Länder wie Polen und Spanien klare Positionen bezogen haben, bleiben die meisten Regierungen unentschlossen. Die zentrale Frage: Sollte die dauerhafte Sommerzeit oder die ewige Winterzeit eingeführt werden?
Dieser Streit hat praktische Konsequenzen für Millionen Europäer. Bei dauerhafter Sommerzeit würden Städte wie Amsterdam und Madrid im Winter erst am späten Vormittag Tageslicht erhalten. Bei durchgängiger Winterzeit ginge die Sonne in Warschau und Stockholm im Sommer bereits mitten in der Nacht auf. Auch in Deutschland wären helle Sommerabende deutlich kürzer.
Glaubwürdigkeit der EU in Gefahr
Lins und seine Mitstreiter warnen vor einem Vertrauensverlust in die europäischen Institutionen. In ihrem Schreiben argumentieren sie: „Wenn argumentiert wird, dass manche europäische Gesetze oberflächlich seien, ist dies ein sehr gutes Beispiel dafür. Europa verbietet den Mitgliedstaaten die Abschaffung der halbjährlichen Zeitumstellung. Dies ist schwer zu rechtfertigen, da die erwarteten Vorteile nicht überzeugend nachgewiesen wurden.“
Bereits im Oktober 2025 hatte sich EU-Kommissar Apostolos Tzitzikostas für eine Lösung ausgesprochen und die Blockade im Rat beenden wollen. Doch bis heute ist nichts geschehen. „Das Thema bleibt ein Dauerbrenner“, resümiert Lins. Der jetzt versandte Brief soll die Zeitumstellung endlich wieder auf die politische Tagesordnung bringen.
Die EVP-Fraktion betont in ihrem Schreiben abschließend: „Wissenschaftliche Studien belegen die negativen Effekte auf Schlafmuster und Gesundheit. Während die Kommission ihren Vorschlag 2018 präsentierte und das Parlament 2019 seine Position verabschiedete, hat der Rat seit acht Jahren keine substanziellen Fortschritte erzielt. Diese Situation ist inakzeptabel.“



