Burnham gewinnt Nachwahl – Sturz von Premier Starmer rückt näher
Burnham gewinnt Nachwahl – Sturz von Premier Starmer naht

Der britische Premierminister Keir Starmer sieht sich nach der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield mehr denn je in seiner Position bedroht. Wie die Auszählung in der Nacht ergab, gewann Starmers parteiinterner Herausforderer Andy Burnham den vakanten Parlamentssitz. Als Abgeordneter kann Burnham nun eine Führungswahl erzwingen und Starmer als Parteichef und Premierminister ablösen.

Burnham spricht von einem Wendepunkt

In seiner Siegesrede in den frühen Morgenstunden erklärte Burnham: „Dies könnte der Wendepunkt sein. Ich werde alles geben, um sicherzustellen, dass der Name Makerfield für immer für den Wandel steht, den dieses Land braucht – und um etwas zurückzubringen, das wir verloren haben: Hoffnung auf die Zukunft.“

Burnham erhielt in dem kleinen Wahlkreis 24.927 Stimmen und damit knapp 10.000 mehr als der Kandidat der rechtspopulistischen Partei Reform UK, Robert Kenyon, der auf 15.696 Stimmen kam. Die Wahlbeteiligung lag bei 58,78 Prozent. Kein anderer Kandidat erreichte mehr als 3.200 Stimmen.

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Sein Amt als Bürgermeister von Greater Manchester gibt Burnham für den Labour-Parlamentssitz auf. „Es wird keine zweite Chance geben, aber jetzt ist die Gelegenheit, auf diesem Ergebnis eine neue Politik aufzubauen, die auf Einheit und Hoffnung gründet“, sagte Burnham. Starmer erwähnte er in seiner Rede nicht.

Starmer seit Monaten in der Krise

Der amtierende Premierminister steht seit Monaten massiv unter Druck. Mehrere Minister haben ihm bereits den Rücken gekehrt, zuletzt Verteidigungsminister John Healey. Schlagzeilen wie „Starmer am Abgrund“ oder „Das Chaos kehrt nach Westminster zurück“ häuften sich in den vergangenen Wochen.

Verschärft wurde die Lage durch herbe Verluste für Labour bei den Kommunal- und Regionalwahlen Anfang Mai zugunsten von Reform UK. Einen Rücktritt oder einen Zeitplan für einen geordneten Rückzug hat Starmer jedoch bislang ausgeschlossen. Er verweist auf seinen Wahlsieg im Sommer 2024 und den Auftrag, das Land aus der Krise zu führen.

Die Hoffnung der Kritiker ruht nun auf Burnham. Der charismatische 56-Jährige gilt als Liebling des moderat-linken Parteiflügels. In Manchester erwarb er sich den Ruf eines bodenständigen Machers mit Visionen. Vor knapp zehn Jahren hatte Burnham das Parlament nach einem gescheiterten Versuch, an die Parteispitze zu gelangen, verlassen. Nun gilt es als sicher, dass er bald den nächsten Anlauf ankündigt.

So funktioniert die Herausforderung

Um Starmer herauszufordern, benötigt Burnham die Unterstützung von 20 Prozent der Labour-Abgeordneten – derzeit 81. Danach würde eine Urabstimmung unter den Mitgliedern folgen. Als aktueller Vorsitzender stünde Starmer automatisch zur Wahl. Als weiterer Bewerber gilt der zurückgetretene Gesundheitsminister Wes Streeting.

Die Führungswahl wäre nicht innerhalb weniger Tage abgeschlossen, sondern würde sich über Wochen oder Monate hinziehen. Das Labour-Chaos spielt vor allem den Gegnern im Parlament in die Karten. Reform UK, die Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage, macht seit Monaten Stimmung gegen die Regierung. Farage selbst strebt offen das Amt des Premierministers an. Die nächste reguläre Unterhauswahl ist erst für 2029 vorgesehen.

Warum ausgerechnet Makerfield?

Dass ein Bezirk im Nordwesten Englands plötzlich so entscheidend wurde, liegt am Rücktritt des bisherigen Abgeordneten Josh Simons. Nach den desaströsen Kommunal- und Regionalwahlen räumte er seinen Sitz, um Burnham die Rückkehr nach Westminster zu ermöglichen und einen Führungswechsel bei Labour anzustoßen.

Verbunden war dies mit dem Risiko, dass Reform UK die Wahl gewinnen könnte – am Ende ging die Rechnung der Starmer-Gegner auf. Am Wahltag wimmelte es in dem Bezirk von Wahlkämpfern aller Parteien. Farage klopfte persönlich an Türen, und auch Burnham machte intensiv Werbung.

Beobachtern zufolge gewann Burnham nicht, weil er Labour angehört, sondern weil er als Typ beliebt ist. Viele Wähler in Ashton-in-Makerfield sagten, sie würden entweder Burnham oder Reform wählen – aber nicht Labour oder Reform. „Hoffentlich Andy“ war das Motto vieler, auch offiziell von Starmer, der seinen Parteikollegen unterstützen musste. Damit stärkte er jedoch seinen nun größten Herausforderer.

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