Diplomatischer Fauxpas bei den Vereinten Nationen
In einem diplomatischen Missgeschick hat die Ständige Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen einen Retweet des offiziellen Accounts der palästinensischen UN-Vertretung geteilt und nach einer Anfrage der BILD-Zeitung wieder gelöscht. Der Vorfall ereignete sich im Februar 2026 in New York und wirft Fragen zur deutschen Position in der Palästina-Frage auf.
Retweet und sofortige Löschung
Die deutsche UN-Vertretung teilte auf der Plattform X einen Beitrag des Accounts mit dem Profilnamen „State of Palestine“. Nach einer direkten Nachfrage von BILD beim Auswärtigen Amt, ob diese Handlung als Schritt zur Anerkennung eines palästinensischen Staats zu werten sei, wurde der Post umgehend entfernt. „Die Ständige Vertretung Deutschlands bei den Vereinten Nationen hat den angesprochenen Post gelöscht“, erklärte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. „Die Position der Bundesregierung ist unverändert: Deutschland erkennt eine palästinensische Staatlichkeit nicht an.“
Hintergrund: UN-Verurteilung Israels
Der Vorfall geschah im Kontext einer diplomatischen Initiative der palästinensischen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Diese versammelte 85 Staaten, um Israel bei einem sogenannten „Stakeout“ – einem Pressetermin am Rande der UN-Vollversammlung – zu verurteilen. Die Palästinenser verfügen bei der UNO lediglich über einen Beobachterstatus, ähnlich dem Vatikan, der ihnen erlaubt, in der Vollversammlung ohne Stimmrecht zu sprechen.
Deutschland schloss sich dieser Verurteilung an und kritisierte scharf „die unilateralen israelischen Beschlüsse und Maßnahmen zum Ziel der Expansion von Israels rechtswidriger Präsenz in der West Bank“. Dabei geht es konkret um israelische Regierungsbeschlüsse zum Landkauf im Westjordanland, der bisher auch für Israelis nur unter strengen Auflagen und mit Sonderlizenzen möglich war.
Traditionelle UN-Dynamik
Israel wird in Gremien der Vereinten Nationen traditionell häufiger verurteilt als alle anderen Länder der Welt zusammen. Die Nichtregierungsorganisation „UN Watch“ zählte beispielsweise im Jahr 2024 insgesamt 17 Anti-Israel-Resolutionen der UN-Vollversammlung. Im Vergleich dazu gab es nur sieben Verurteilungen anderer Länder:
- Nordkorea
- Iran
- Syrien
- Myanmar
- zweimal Russland
- einmal die USA für Sanktionen gegen Kuba
Die aktuelle Verurteilung fand nicht in der Vollversammlung selbst statt, sondern bei dem erwähnten Pressetermin, da die Initiative von den Palästinensern ausging, die kein Vollmitglied der UNO sind.
Diplomatische Sensibilität
Der gelöschte Retweet unterstreicht die diplomatische Sensibilität des Themas. Während Deutschland sich der Kritik an israelischen Maßnahmen im Westjordanland anschließt, bleibt die Anerkennung eines palästinensischen Staates eine rote Linie der deutschen Außenpolitik. Der Vorfall zeigt, wie selbst kleine Handlungen in sozialen Medien im internationalen diplomatischen Kontext misinterpretiert werden können.
Die UN-Vollversammlung in New York war im September 2025 Schauplatz einer Rede von Bundesaußenminister Johann Wadephul (63, CDU). Die aktuelle Situation verdeutlicht die komplexen diplomatischen Verhältnisse, mit denen deutsche Vertreter bei internationalen Organisationen täglich konfrontiert sind.



