TV-Kritik: Bei „Lanz“ wird klar, was der CDU in Sachsen-Anhalt fehlt
TV-Kritik: Was der CDU in Sachsen-Anhalt fehlt

Die AfD könnte bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Herbst 2026 mit rund 41 Prozent die absolute Mehrheit anstreben, während die CDU von Ministerpräsident Sven Schulze nur auf 23 Prozent kommt. In der ZDF-Sendung „Markus Lanz“ am Dienstagabend wurde deutlich, warum die CDU Schwierigkeiten hat, gegen die AfD zu punkten: Ihr fehlen konkrete eigene Themen und eine positive Zukunftserzählung.

AfD baut auf Emotionen – CDU bleibt vage

Die Journalistin Sabine Rennefanz („Spiegel“) kritisierte, die CDU besetze lieber Themen wie Migration, die eigentlich bei der AfD beliebt seien, anstatt eigene Akzente zu setzen. „Die AfD hat es geschafft, eine Bewegung aufzubauen“, erklärte sie. Diese Bewegung basiere auf kollektiven Verlusterfahrungen und der Massenarbeitslosigkeit der 1990er-Jahre. „Damit kommt man mit Fakten gar nicht so gegen an“, so Rennefanz. Die AfD locke mit konkreten, wenn auch vagen Versprechen wie einer Führerscheinprämie oder einem kostenfreien Meister – Finanzierung unklar.

Fachkräftemangel und Zuwanderung als Dilemma

Der „Handelsblatt“-Chefreporter Martin Greive machte ein zentrales Problem deutlich: „Ohne Zuwanderung wird die Wirtschaft in Sachsen-Anhalt nicht funktionieren können.“ Die Erwerbsbevölkerung sei zu klein, die Gesellschaft zu alt. Nötig sei eine gezielte Fachkräftezuwanderung, doch die Bevölkerung stehe weiterer Zuwanderung sehr skeptisch gegenüber. Ministerpräsident Schulze widersprach dem nicht, bekräftigte die Einschätzung sogar, schimpfte aber zugleich über Fehler beim Zuzug ins Sozialsystem – ganz in AfD-Manier, wie Rennefanz anmerkte.

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Schulze bleibt konkrete Antworten schuldig

Moderator Markus Lanz forderte Schulze mehrfach zu konkreten Vorschlägen auf, doch der CDU-Politiker blieb vage. Er sprach von Realismus, der einkehren müsse, und verwies auf bereits laufende Maßnahmen wie einen höheren Praxisbezug in der schulischen Ausbildung oder eine staatliche Praktikumsprämie. Auf Nachfrage ließ er sich lediglich darauf festnageln, dass der Status quo bei den Kitas trotz sinkender Geburtenraten erhalten bleiben solle. Die Frage, wie Fachkräftezuzug gelingen solle, wenn Menschen mit Migrationshintergrund bereits Ängste vor der starken AfD hätten, ließ Schulze unbeantwortet. „Ich schreibe das Wahlprogramm nicht als Reaktion auf die AfD“, sagte er an einer Stelle.

Fehlende Zukunftserzählung der CDU

Rennefanz und Greive waren sich einig: Der CDU fehle eine positive Zukunftserzählung. Während die AfD mit emotionalen Botschaften und konkreten (wenn auch unrealistischen) Angeboten punkte, wirke Schulzes Politik mutlos und rückwärtsgewandt. „Die positive Zukunftserzählung für das Land“ vermisse man, so Greive. Die CDU müsse dringend eigene Themen entwickeln, um die Aufholjagd zu starten – doch derzeit scheine sie eher auf AfD-Themen zu reagieren, statt eigene Akzente zu setzen.

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