Der Flachbunker am Ortolanweg in Berlin-Buckow, ein Relikt aus der NS-Zeit, dämmerte fast fünf Jahrzehnte lang als verfallener Lost Place vor sich hin, bevor er in den 1990er-Jahren einem Neubauprojekt weichen musste. Die meterstarken Stahlbetonwände, die einst Schutz vor Bomben boten, wurden schließlich abgerissen, um Platz für ein generationsübergreifendes Wohnprojekt für Frauen zu schaffen.
Lage und Bau des Bunkers
Der Bunker befand sich am Ortolanweg 84, Ecke Kolkrabenweg, im Ortsteil Buckow des Bezirks Neukölln. Errichtet wurde er Anfang der 1940er-Jahre im Rahmen des Luftschutz-Sofortprogramms der NS-Führung, nachdem alliierte Luftangriffe Berlin getroffen hatten. Der Bunker vom Typ 2D war ein Flachbunker mit 18 Schutzzellen, etwa 30 Meter lang, 17 Meter breit und mit einer Grundfläche von rund 500 Quadratmetern. Die Deckenstärke betrug 1,40 Meter, die Wandstärke 1,80 Meter. Er bot knapp 200 Personen Schutz.
Nutzung während des Krieges
Im Inneren gab es zwei parallele Gänge mit je sechs Kammern sowie einer mittleren Kammerzeile, Sanitärräume, einen Heizungsraum, einen Sandfilter und Lüftungsgeräte. Die Schlüssel für die Kammern mit zwei 3-Stockbetten wurden bevorzugt an kinderreiche Familien vergeben. Bei Bombenangriffen bebten die Wände, und die Luft wurde oft dünn, was zu Panik führte. Der Bunker rettete wahrscheinlich Leben, als Neukölln in der Nacht vom 29. auf den 30. Dezember 1943 von einem schweren Angriff getroffen wurde: 20 Minuten lang warfen 712 britische Flugzeuge über 2200 Tonnen Bomben ab.
Nachkriegszeit und Verfall
Im April 1945 befreiten Rotarmisten die im Bunker Schutzsuchenden. Nach dem Krieg wurde der Bunker zwischengenutzt, unter anderem als Lager für Pyrotechnik, bevor er aufgegeben wurde. Die Alliierten sprengten die meisten Berliner Bunker, doch der am Ortolanweg blieb stehen. In den folgenden Jahrzehnten verfiel er zur modernen Ruine: Von den Wänden bröckelten Hinweise wie „Ruhe bewahren!“ und „Nicht rauchen!“, Nässe und Rost zerstörten die Einbauten.
Abriss und Neubauprojekt
In den 1990er-Jahren plante die Initiative „Offensives Altern“ unter der Trägerschaft der 1892 eG-Wohnbaugenossenschaft ein Wohnprojekt für Frauen auf einem landeseigenen Grundstück am Ortolanweg. Der Bund bot das angrenzende Grundstück samt Bunker zum Kauf an. Die Kosten für den Abriss des Betonriesen und gestiegene Bodenpreise drohten das Budget zu sprengen. Erst nach Protesten und einem Dringlichkeitsantrag im Abgeordnetenhaus konnte das Projekt 1997 starten. Im Herbst 1997 wurde der Bunker abgerissen, und nach zweijähriger Bauzeit wurde im September 1999 das Wohnprojekt eingeweiht. Heute befindet sich auf der Fläche ein kleiner Spielplatz; an den Bunker erinnert nichts mehr.



