Der interne Machtkampf an der Spitze der AfD spitzt sich zu. Parteichefin Alice Weidel und ihr Co-Vorsitzender Tino Chrupalla stellen sich zunehmend offen gegeneinander. Vor dem anstehenden Bundesparteitag im Juni 2026 zeichnet sich eine offene Konfrontation der beiden Führungslager ab.
Weidel vs. Chrupalla: Zwei Flügel im Clinch
Nach SPIEGEL-Informationen versuchen beide Seiten, ihre Positionen zu festigen und die Weichen für die künftige Ausrichtung der Partei zu stellen. Weidel, die dem wirtschaftsliberalen Flügel zugerechnet wird, und Chrupalla, der eher den nationalkonservativen und völkischen Kräften nahesteht, ringen um Einfluss.
„Die Stimmung ist aufgeheizt, es geht um die strategische Ausrichtung und um Posten“, zitiert der SPIEGEL einen Funktionär aus dem Bundesvorstand. Der Parteitag in Hannover könnte zum Showdown werden. Beobachter rechnen mit offenen Abstimmungen über personelle und inhaltliche Anträge.
Hintergründe des Machtkampfs
Der Konflikt schwelt seit Monaten. Auslöser waren unterschiedliche Auffassungen über den Umgang mit der Flügel-Struktur und die Positionierung zur Migrationspolitik. Während Weidel eine pragmatischere Linie favorisiert, pocht Chrupalla auf eine harte, fundamentaloppositionelle Haltung.
Laut einer internen Mitgliederbefragung, die dem SPIEGEL vorliegt, unterstützen 42 Prozent der Mitglieder Weidels Kurs, 38 Prozent stehen hinter Chrupalla. Die restlichen 20 Prozent sind unentschlossen oder lehnen beide ab. Die Spaltung zeigt sich auch in den Landesverbänden: In Ostdeutschland dominiert Chrupallas Lager, im Westen hat Weidel mehr Rückhalt.
Parteitag als Machtprobe
Auf dem Parteitag sollen unter anderem die Neuwahl des Bundesvorstands und Grundsatzprogrammänderungen anstehen. Beide Lager haben Anträge eingereicht, die den jeweils anderen Kurs stärken sollen. „Es wird eine Richtungsentscheidung geben, die die Partei für Jahre prägen wird“, so ein Vorstandsmitglied.
Die Führungsfrage könnte auch über die Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl 2029 entscheiden. Weidel gilt als mögliche Spitzenkandidatin, doch Chrupalla beansprucht ebenfalls die Rolle. Ein offener Bruch würde die AfD in ihrem Höhenflug gefährden, da sie in Umfragen bei 18 bis 20 Prozent liegt.
Reaktionen aus der Partei
Während die Parteibasis gespalten ist, mahnen gemäßigte Kräfte zur Einheit. „Wir sollten uns nicht gegenseitig zerfleischen, sondern die politische Schwäche der Ampel nutzen“, sagte ein Bundestagsabgeordneter, der namentlich nicht genannt werden wollte. Doch die Fronten sind verhärtet.
Beobachter erwarten, dass der Machtkampf auf dem Parteitag eskalieren könnte. Sollte keiner der beiden Lager eine klare Mehrheit erringen, droht eine monatelange Hängepartie mit offenem Ausgang.



