AfD-Parteitag startet trotz massiver Proteste wie geplant
Der Bundesparteitag der AfD in Erfurt kann am Samstag wie geplant um 10 Uhr beginnen. Das teilte die Thüringer Polizei am Morgen mit. Ein Großteil der Delegierten habe die Messehallen bereits erreicht, bestätigte die Behörde. Zuvor hatte das Aktionsbündnis „Widersetzen“ mit Sitzblockaden versucht, die Anreise zu verhindern. Rund 20.000 Demonstranten waren nach Polizeiangaben in und um Erfurt unterwegs – weit weniger als die vom Bündnis erhofften 50.000 bis 80.000 Teilnehmer.
Frühe Anreise der Delegierten vereitelt Blockadepläne
Bereits am frühen Morgen waren Hunderte AfD-Delegierte in Erfurt eingetroffen. „Mindestens die Hälfte aller Delegierten ist schon da“, berichtete die „Thüringer Allgemeine“ unter Berufung auf den Thüringer AfD-Fraktionsvize Daniel Haseloff. Die Polizei hatte den Parteimitgliedern offenbar eine besonders frühe Anreise empfohlen. Während die „Widersetzen“-Aktivisten um 5 Uhr aus den Reisebussen stiegen, war die AfD-Anreise bereits im vollen Gange. „Ein massives Polizeiaufgebot sorgte für eine sichere Anreise“, erklärte ein Polizeisprecher.
Blockaden auf Autobahn und Bundesstraße
Das Bündnis „Widersetzen“ hatte mehrere Blockaden errichtet, unter anderem auf der Autobahn A71 und der Bundesstraße B7. Auf der A71 saßen zeitweise rund 1000 Aktivisten auf der Fahrbahn. Auch von einer Brücke seilten sich Demonstranten ab, wie ein Video des linken Mediums „Perspektive Online“ zeigte. An der B7 brach die Polizei eine Räumung ab, weil die Beamten in der Unterzahl waren. „Wir gehen mit Blockaden versammlungsfreundlich und kommunikativ um. Räumungen erfolgen erst, wenn mehrere Gespräche zur Auflösung erfolglos bleiben“, schrieb die Polizei Thüringen auf X.
„Widersetzen“ scheitert mit selbst gestecktem Ziel
In einer Pressemitteilung behauptete das Bündnis „Widersetzen“: „Mehrere Tausend Aktivist*innen blockieren in diesen Minuten die Autobahn A71 und Bundesstraße B7 zum AfD-Bundesparteitag in Erfurt. Damit hat das Aktionsbündnis sein Ziel erreicht: Über die zentralen Anfahrtsrouten ist kein Durchkommen zum Parteitag mehr möglich.“ Diese Darstellung ist jedoch falsch. Ein Großteil der Delegierten war bereits im Veranstaltungsort eingetroffen. Die Polizei hatte die Anreise durch frühe Empfehlungen und ein massives Aufgebot gesichert.
Vereinzelte Gewalt und Farbbeutelangriffe
Während die meisten Proteste friedlich verliefen, kam es vereinzelt zu Rangeleien und Gewalt. Ein „Bild“-Reporter berichtete von vermummten Linksextremisten, die Mülltonnen umwarfen und Pyrotechnik zündeten. Die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Zudem wurde ein AfD-Bürgerbüro in Erfurt mit Farbbeuteln attackiert. Auch gegen Beamte gab es Farbbeutelwürfe. Die Polizei stellte Farbbeutel sicher.
Rettungsgassen werden geöffnet
Die „Widersetzen“-Aktivisten hatten sich in Trainings auf die Blockaden vorbereitet und das Prinzip der Rettungsgasse verinnerlicht. Sobald ein Rettungswagen oder Notarzt auf eine Blockade zufuhr, öffneten die Demonstranten die Straße, um sie dahinter wieder zu schließen.
Rechte Streamer und „Letzte Generation“ vor Ort
In Erfurt waren auch zahlreiche rechte Streamer unterwegs, die das Geschehen live ins Internet übertrugen. Darunter „Björn Banane“, der für die Brandenburger AfD-Fraktion arbeitet, und der ehemalige NPD-Kader Sebastian Schmidtke. Zudem klebten sich Aktivisten der „Letzten Generation“ mit einer Sand-Klebe-Mischung an Straßenbahngleise.
Ausblick auf Sonntag: Keine erneuten Blockaden erwartet
Der AfD-Parteitag erstreckt sich über das gesamte Wochenende. Erfahrungen aus den Vorjahren zufolge werden die Aktivisten am Sonntag jedoch nicht erneut blockieren. Ein Großteil der etwa 250 Reisebusse von „Widersetzen“ wird im Laufe des Samstags die Rückreise antreten. Der Fokus liegt klar auf dem ersten Tag.



