In Berlin-Lichtenberg ist das erste kommunale Azubiwohnheim der Hauptstadt eröffnet worden – und bereits wenige Tage nach der Bekanntgabe waren alle 90 Plätze vergeben. Die Nachfrage nach bezahlbarem Wohnraum für Auszubildende ist enorm, wie die zuständige Wohnungsbaugesellschaft Berlinovo mitteilte.
Günstige Mieten für Azubis in Lichtenberg
Das Wohnheim an der Storkower Straße 220 bietet Ein- und Zweizimmerapartments mit einer Warmmiete von rund 380 Euro pro Monat. Damit zahlen Azubis deutlich weniger als Studenten in vergleichbaren Wohnheimen, die oft über 600 Euro warm aufbringen müssen. Die Wohnungen sind voll möbliert und verfügen über eine kleine Küche sowie ein eigenes Bad.
„Wir freuen uns, dass wir mit diesem Projekt einen Beitrag zur Entspannung des Wohnungsmarktes für Auszubildende leisten können“, sagte ein Sprecher der Berlinovo. „Die große Nachfrage zeigt, wie dringend solche Angebote benötigt werden.“ Die Vergabe erfolgte nach einem Punktesystem, das unter anderem die Entfernung zum Ausbildungsplatz und die soziale Situation berücksichtigte.
Hintergrund: Wohnungsnot in Berlin
Berlin leidet seit Jahren unter einem angespannten Wohnungsmarkt. Besonders für junge Menschen mit geringem Einkommen ist die Suche nach einer bezahlbaren Wohnung schwierig. Während Studenten Zugang zu zahlreichen Wohnheimen haben, gab es für Azubis bislang kaum spezielle Angebote. Das neue kommunale Azubiwohnheim soll eine Lücke schließen.
Die Berlinovo plant weitere Projekte dieser Art. „Wir prüfen derzeit mehrere Standorte in anderen Bezirken“, so der Sprecher. „Ziel ist es, in den nächsten Jahren mindestens 500 weitere Azubiwohnplätze zu schaffen.“ Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Landes Berlin und der Wohnungsbaugesellschaft.
Reaktionen und Ausblick
Die IG Bau Berlin-Brandenburg begrüßte die Initiative. „Azubis werden auf dem Wohnungsmarkt oft übersehen“, sagte ein Gewerkschaftsvertreter. „Es ist gut, dass die Stadt hier endlich aktiv wird.“ Allerdings sei die Zahl der Plätze noch viel zu gering. „Allein in Berlin gibt es rund 30.000 Auszubildende, viele pendeln täglich weite Strecken, weil sie keine bezahlbare Wohnung finden.“
Das Wohnheim in Lichtenberg ist zunächst auf drei Jahre befristet. Sollte sich das Modell bewähren, ist eine Verlängerung und Ausweitung geplant. Die ersten Azubis sind bereits eingezogen. „Ich bin super froh, dass ich hier einen Platz bekommen habe“, sagte die 19-jährige Kauffrau im Einzelhandel, Lisa M. „Jetzt muss ich nicht mehr eine Stunde von Brandenburg anreisen.“



