Neue Studie enthüllt unterschiedliche Gehirnreaktionen auf Zuckerarten
Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung liefert faszinierende Erkenntnisse darüber, wie das Gehirn auf verschiedene Zuckerarten reagiert. Obwohl Fruktose und Glukose die gleiche Anzahl an Kalorien liefern, verarbeitet das Gehirn sie offenbar auf unterschiedliche Weise. Dies zeigt eine neue Studie, die an frühere Forschungsergebnisse anknüpft.
Bereits im Jahr 2015 hatten Wissenschaftler der University of Southern California 24 gesunde Erwachsene untersucht. Nach einer Fastenphase erhielten die Teilnehmer entweder eine Fruktose- oder eine Glukoselösung. Anschließend wurden Gehirnaktivität, Hungergefühl und Essverhalten analysiert. Das Ergebnis: Nach dem Konsum von Fruktose (Fruchtzucker) fühlten sich die Probanden hungriger und hatten mehr Appetit als nach Glukose (Einfachzucker). Zudem reagierten die Belohnungszentren im Gehirn stärker auf Bilder von kalorienreichen Lebensmitteln.
Vergleich von Fruchtzucker und Einfachzucker
Die neue Mäuse-Studie des Monell Chemical Senses Center in Philadelphia sollte klären, warum dieser Unterschied besteht. In Versuchen mit Mäusen untersuchten die Forscher sogenannte AgRP-Neuronen im Hypothalamus – jener Hirnregion, die das Hungergefühl steuert. Die Tiere erhielten entweder Fruktose oder Glukose in identischen Kalorienmengen. Dabei zeigte sich: Fruktose hemmte die Hungerneuronen deutlich schwächer als Glukose. Dies deutet darauf hin, dass die Nervenzellen nicht nur auf die Kalorienmenge reagieren, sondern auch auf die Art des Zuckers. Interessanterweise fraßen die Mäuse kurzfristig nicht mehr – vermutlich, weil Fruktose den Darm stärker dehnt und so ein mechanisches Völlegefühl erzeugt.
Rolle von Darm und Hormonen
Zusätzlich fanden die Forscher einen Signalweg zwischen Darm und Gehirn. Fruktose erhöhte die Konzentration des Darmhormons PYY stärker als Glukose. Dieses Hormon aktiviert den Vagusnerv – eine Art Datenleitung zwischen Bauch und Kopf – und hemmt so die Hungerneuronen. Allerdings geschieht dies bei Fruktose nur schwach. Glukose dagegen bremst dieselben Nervenzellen über andere, wirksamere Signalwege deutlich stärker. Das Ergebnis: Trotz höherer PYY-Ausschüttung bleibt das Hungergefühl nach Fruktose stärker als nach Glukose. Wurde dieser Signalweg blockiert, verschwand auch der Einfluss von Fruktose auf die Hungerneuronen.
Die Studie liefert damit eine mögliche Erklärung für die Beobachtungen aus dem Jahr 2015: Obwohl beide Zuckerarten gleich viele Kalorien enthalten, senden sie offenbar unterschiedliche Signale an das Gehirn. „Wir möchten nicht die Botschaft vermitteln, dass bestimmte Zuckerarten grundsätzlich ‚gut‘ oder ‚schlecht‘ sind“, ordnete Studienautorin Amber L. Alhadeff auf unsere Nachfrage die Untersuchung ein. „Dennoch halten wir es für wichtig, dass Verbraucherinnen und Verbraucher wissen, dass unterschiedliche Zuckerarten unterschiedliche Auswirkungen auf unseren Körper und unser Gehirn haben können.“



