Annika Neugart über Eurydike und Orpheus: Wer will schon ewig lieben?
Annika Neugart: Wer will schon ewig lieben?

In einem exklusiven Gespräch gewährt die Schauspielerin Annika Neugart tiefe Einblicke in ihre Interpretation der Eurydike in der aktuellen Inszenierung an den Kammerspielen. Die Neuüberschreibung des klassischen Mythos durch die Regisseurin Anna Smolar und ihr kreatives Team – mit Kompositionen von Jan Duszynski und einem Libretto von Robert Bolesto – verspricht eine frische, provokante Sicht auf die zeitlose Geschichte von Liebe und Verlust.

Eine moderne Eurydike

Neugart beschreibt ihre Figur als eine Frau, die sich nicht einfach dem Schicksal ergibt. „Eurydike ist heute keine passive Geliebte mehr, die darauf wartet, gerettet zu werden“, erklärt die Schauspielerin. „Sie stellt Fragen, fordert heraus und sucht nach ihrem eigenen Weg, selbst im Angesicht des Todes.“ Diese Neuinterpretation verleiht der antiken Heldin eine bemerkenswerte Autonomie und Tiefe.

Die Frage nach der ewigen Liebe

Der Titel des Stücks, „Wer will schon ewig lieben?“, wirft eine grundlegende Frage auf. Neugart reflektiert: „Ewige Liebe klingt verlockend, aber ist sie nicht auch eine Bürde? Unser Stück untersucht, was es bedeutet, jemanden über den Tod hinaus zu lieben, und ob diese Vorstellung nicht letztlich eine Illusion ist.“ Die Inszenierung hinterfragt romantische Ideale und zeigt die Ambivalenz von Liebe und Hingabe.

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Die Inszenierung

Regisseurin Anna Smolar hat gemeinsam mit ihrem Team eine experimentelle Bühnenwelt geschaffen, die Musik und Text zu einer Einheit verschmelzen lässt. Die Kompositionen von Jan Duszynski unterstreichen die emotionale Reise der Figuren, während Robert Bolestos Libretto die Dialoge mit poetischer Schärfe versieht. „Es ist ein Gesamtkunstwerk, das alle Sinne anspricht“, schwärmt Neugart.

Herausforderungen und Parallelen

Für die Schauspielerin war es eine besondere Herausforderung, eine so ikonische Figur neu zu beleben. „Eurydike ist in der Literatur oft nur die stille Geliebte. Hier bekommt sie eine Stimme und eine eigene Geschichte.“ Neugart sieht Parallelen zur heutigen Zeit: „Auch heute ringen Menschen mit der Frage nach Bindungen, Autonomie und dem, was nach dem Tod kommt. Der Mythos ist aktueller denn je.“

Die Aufführungen in den Kammerspielen versprechen ein intensives Theatererlebnis, das den antiken Stoff in die Gegenwart holt. Annika Neugarts Darstellung der Eurydike wird dabei sicherlich zu den Höhepunkten der Spielzeit zählen.

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