Selfpublishing-Autorin Döling: Bestseller mit Tabuthemen
Selfpublishing-Autorin Döling: Bestseller mit Tabuthemen

Die Newcomer-Autorin Marie Döling aus Potsdam sorgt mit ihren Büchern für Aufsehen. Ihre Werke sind detailverliebt geschrieben, von außen leuchten sie pink und haben einen gemusterten Farbschnitt mit Blumen an den Seiten. Doch innen geht es um harte Themen: Mobbing, sexualisierte Gewalt und Selbstverletzung. Die Darstellung ist so explizit, dass sich Triggerwarnungen in den Büchern finden.

Erfolg ohne Verlag

Ihr neuestes Werk „Ein Loch im Universum“ erschien im April und stieg direkt auf Platz 10 der Spiegel-Bestseller-Liste (Paperback) ein. Das ist besonders, weil Döling es ohne Verlag herausbringt. Alle ihre Bücher veröffentlicht sie im Selfpublishing – ohne Sicherheitsnetz, aber mit allen Freiheiten. Die 30-Jährige aus Aschersleben in Sachsen-Anhalt gehört zu einer neuen Generation von Autorinnen, die ihre Zielgruppe über Social Media erreicht.

Tabuthemen für junge Leser

Auf TikTok und Instagram spricht Döling junge Leserinnen und Leser ab dem Teenager-Alter an. Ihre Zielgruppe schaut kurze Videos oder stundenlange Livestreams, in denen Menschen beim Lesen weinen und verzweifeln. Dölings neuer Roman zeigt: Junge Menschen suchen keine heile Welt, sondern Literatur, die ihren Schmerz und ihre Ängste ernst nimmt. „Von Mobbing kann jeder berichten – aus der Opfer-, der Täter- oder der Beobachter-Rolle“, sagt sie.

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Sexualisierte Gewalt als Thema

Die aktuelle Debatte über sexualisierte Gewalt im Internet sei für viele ein „Uff-Moment“ gewesen. Döling selbst hat sexualisierte Gewalt erlebt und sich mit Freundinnen ausgetauscht. „Aus ihren Geschichten heraus hatte ich einen sehr, sehr großen Drang, das auf Papier zu bringen.“ Szenen, die ihr schwergefallen sind, haben die Freundinnen gegengelesen, um sicherzustellen, dass die Themen sensibel, aber klar dargestellt werden.

Selfpublishing mit Stigma

Vor vier Jahren entschied sich Döling bewusst gegen einen Verlag. Das Selfpublishing trage noch immer ein Stigma: „Jeder kann schreiben und selbst veröffentlichen. Dadurch sind Bücher entstanden, die nicht den Standard-Qualitätsmerkmalen des Buchmarktes entsprechen.“ Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels beschreibt Selfpublishing als Sprungbrett für unbekannte Autoren, betont aber auch die Bedeutung von Verlagen bei der Kuratierung hochwertiger Inhalte.

Erfolg durch Social Media

Döling ging mit Tausenden Euro in Vorkasse, aber es zahlte sich aus. „Am Ende ist es genau das Buch, was ich haben wollte.“ Viel Feedback bekommt sie über BookTok und Bookstagram. Laut Börsenverein werden rund ein Drittel der jungen Menschen über Social Media auf Bücher aufmerksam. Bei den 16- bis 19-Jährigen sind es sogar 38 Prozent. Eine schöne Ausstattung und ein Farbschnitt ziehen die Zielgruppe besonders an.

Pädagogischer Auftrag

Döling hat auf Lehramt studiert und möchte Literatur schreiben, die in der Schule behandelt werden kann. Beim ersten Band „Kein Ort dieser Welt“ ist das bereits der Fall: Eine Schule adaptiert den Roman als Theaterstück, und Döling arbeitet an Unterrichtsmaterial. Ihr dritter Band soll trösten und Zuversicht spenden. „Da muss niemand am Ende in den Sonnenuntergang spazieren, aber ich möchte Hoffnung und Mut zurücklassen, nicht nur innere Zerstörung.“

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