Volker Hage, langjähriger Literaturkritiker des SPIEGEL, ist im Alter von 76 Jahren gestorben. Er starb am 29. April in Hamburg, wie seine Familie mitteilte. Hage prägte über zwei Jahrzehnte die Literaturkritik im deutschsprachigen Raum und förderte zahlreiche junge Autorinnen und Autoren.
Ein Leben für die Literatur
Bereits mit 17 Jahren führte Hage sein erstes Interview mit Günter Grass. Er passte den prominenten Autor am Hamburger Flughafen ab und überzeugte ihn zu einem Gespräch. Nach dem Studium der Literaturwissenschaften holte ihn Marcel Reich-Ranicki 1975 zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Später wechselte er zur Zeit, bevor er 1992 zum SPIEGEL kam, wo er bis zu seiner Pensionierung 2014 das Ressort Literatur leitete.
Anders als sein Lehrer Reich-Ranicki, der die Nähe zu Schriftstellern mied, suchte Hage den persönlichen Kontakt. Er traf John Updike und Philip Roth, Max Frisch und Martin Walser. Seine Rezensionen blieben stets kritisch, aber wohlwollend. „Volker Hage war ein freundlicher Mensch, und so waren auch seine Texte“, schreibt Martin Doerry in seinem Nachruf.
Förderer junger Talente
Hage entdeckte und förderte Schriftstellerinnen wie Zeruya Shalev, Judith Hermann und Karen Duve. Im SPIEGEL veröffentlichte er provokante Essays von Autoren wie Botho Strauß, dessen „Anschwellender Bocksgesang“ für Aufsehen sorgte. Nach seiner Pensionierung widmete er sich seinem Jugendtraum: einer eigenen Karriere als Schriftsteller. Der erste Band seiner Romanbiografie über Arthur Schnitzler, „Des Lebens fünfter Akt“, erschien 2020. Eine Krebserkrankung verhinderte die Fertigstellung des zweiten Bandes.
Volker Hage hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Die deutsche Literatur verliert mit ihm einen ihrer profiliertesten Kritiker.



