Kunst-Workshop in Bibow: Kirche wird zum Atelier auf Feiningers Spuren
Kirche Bibow: Kunst-Workshop auf Feiningers Spuren

Kunstexperiment in sakralen Mauern: Bibower Kirche wird zum kreativen Atelier

In der beschaulichen Bibower Kirche herrschte für einen Tag ungewöhnliches Treiben. Zwölf Teilnehmer im Alter von 8 bis 77 Jahren verwandelten die kleine Sakristei in ein lebendiges Atelier, wo konzentriert gezeichnet, skizziert und gemalt wurde. Der Malerei-Workshop unter dem Titel „Auf den Spuren von Lyonel Feininger“ wurde von der freien Künstlerin Christine de Boom organisiert, die regelmäßig kreative Veranstaltungen für alle Generationen anbietet.

Historische Verbindung: Feiningers Skizze als Inspiration

Der Bezug zum berühmten Bauhauskünstler führt direkt nach Bibow. Dr. Joachim Czwalinna, Vorstandsvorsitzender des Kirchenbauvereins Bibow, eröffnete den Workshop mit einer besonderen Geschichte: „Lyonel Feininger hielt unsere Kirche 1921 auf einer Zugreise von Lübeck nach Ribnitz in einer Skizze fest. Das Original liegt im Busch-Reisinger-Museum der Harvard-Universität in Cambridge, Massachusetts.“ Czwalinna hatte eine Kopie dieser historischen Zeichnung anfertigen lassen und verteilte sie als Postkarte an alle Teilnehmer.

Workshop-Leiterin Christine de Boom hatte sich intensiv auf den Tag vorbereitet und teilte ihr Wissen über den deutsch-amerikanischen Maler, Grafiker und Karikaturisten. Sie erklärte: „Feininger kam erst mit 36 Jahren zur Malerei, entwickelte aber zügig einen markanten Stil. Seine Bilder abstrahieren Objekte und überhöhen sie gestalterisch.“ Besonders bekannt wurden seine Zeichnungen der kleinstädtischen Idylle aus Ribnitz und Damgarten sowie seine Kirchenbilder. Die Sommermonate verbrachte Feininger häufig auf Usedom, wo er zwischen 1908 und 1921 die Insel mit dem Fahrrad erkundete.

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Praktische Übungen: Vom Rundgang zur eigenen Skizze

Bei einem Rundgang um das Gotteshaus erläuterte Dr. Czwalinna die Restaurationsgeschichte der Kirche seit Gründung des Vereins 1999. Anschließend suchten sich die Teilnehmer persönliche Motive zum Nachskizzieren. Während einige Frauen und Kinder in der Sakristei von Handyfotos arbeiteten, entwarfen andere ihre Skizzen direkt vor Ort im Freien.

Christine de Boom gab wertvolle Tipps: „Wir können von Feininger lernen, Striche locker vom Hocker zu setzen. Auf einer Skizze muss man nicht alles hundertprozentig erkennen.“ Dieser Ansatz ermutigte die Teilnehmer, sich von Perfektionismus zu lösen und ihren persönlichen Ausdruck zu finden.

Generationenübergreifende Begeisterung für die Kunst

Die älteste Teilnehmerin, Hella Sternberg (77) aus Nutteln, freute sich besonders: „Es war schön, Feininger etwas näherzukommen.“ Ihre Freundin Elke Schwarz (74) aus Brüel zeigte sich begeistert vom künstlerischen Schaffen in der Region Brüel/Sternberg: „Ich liebe es, immer wieder neue Menschen zu treffen, die künstlerisch unterwegs sind.“ Sie selbst hatte ihr Maltalent an der Volkshochschule bei Eckhardt Erbgut aus Dabel entdeckt.

Auch die jüngsten Teilnehmerinnen brachten ihre eigene Perspektive ein. Die achtjährige Juli zeichnete am liebsten frei aus der Fantasie, während die Freundinnen Luise (10) und Hanna (11) gezielt dazulernen wollten. Hanna, die sich bisher auf das Zeichnen von Kleidern konzentriert hatte, erweiterte ihren künstlerischen Horizont.

Individuelle Ergebnisse nach acht kreativen Stunden

Nach rund acht Stunden intensiver Arbeit präsentierten die Teilnehmer stolz ihre fertigen Werke. Jede Skizze und Zeichnung zeigte eine einzigartige Sicht auf die Bibower Kirche – so unterschiedlich wie die Gedanken der Künstlerinnen selbst. Während sich viele auf das Gesamtbild konzentrierten, wählte Lissi Jabs (63) einen besonderen Ansatz: Sie illustrierte Fragmente der Kirche und ihrer Umgebung, darunter das Eingangstor, Ausschnitte des Kirchensockels, die roten Fenster über dem Altar und die alten Kirchenkreuze neben dem Gebäude.

Der Workshop bewies eindrucksvoll, wie historische Kunst neue Generationen inspirieren kann und wie sakrale Räume zu Orten kreativer Begegnung werden. Die Bibower Kirche war für einen Tag nicht nur Gotteshaus, sondern auch Labor für künstlerische Experimente und generationenübergreifenden Austausch.

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