Der Maler und Bildhauer Georg Baselitz ist tot. Er starb im Alter von 88 Jahren, wie seine Galerie Thaddaeus Ropac in Salzburg mitteilte. Baselitz galt als einer der bedeutendsten Gegenwartskünstler Deutschlands, bekannt für seine provokativen Werke und seine unangepasste Haltung.
Ein Leben voller Widerspruch
Baselitz war ein unbequemer Zeitgenosse, der gerne provozierte und Widerstand leistete. Kurz vor seinem 80. Geburtstag polterte er bei einer Ausstellung in der Fondation Beyeler gegen Journalisten, Künstler und die Demokratie in Deutschland. Sein Lebensmotto war Widerspruch. Die Galerie würdigte ihn als wegweisenden Innovator, der einen tiefgreifenden Einfluss auf die internationale Kunstwelt ausübte.
Frühe Skandale und Umkehrbilder
Bereits seine erste Ausstellung 1963 sorgte für einen Eklat. Die Sittenpolizei beschlagnahmte seine Ölbilder wegen angeblicher Pornografie. Baselitz legte es bewusst auf den Skandal an, um Aufmerksamkeit zu erregen. 1969 schuf er mit „Der Wald auf dem Kopf“ sein erstes Umkehrbild, das zu seinem Markenzeichen wurde. Er malte Füße und Wurzeln oben, Kopf und Baumkrone unten – ein dritter Weg zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit.
Heldenbilder und Kriegserfahrung
In seinen Heldenbildern ab 1965 verarbeitete Baselitz die Kriegserlebnisse seiner Kindheit. Die vermeintlichen Helden erscheinen als kaputte Gestalten in zerlumpten Uniformen mit verzerrten Proportionen. Er sagte: „Ich bin in eine zerstörte Ordnung hineingeboren worden.“
Schaffen bis ins hohe Alter
Trotz gesundheitlicher Einschränkungen malte Baselitz weiter, oft auf dem Boden liegend. Seine Frau Elke baute ihm ein Podest. Seine monumentalen Bilder hängen in den wichtigsten Museen der Welt. 2004 erhielt er den Praemium Imperiale, 2019 wurde er in die Akademie der bildenden Künste in Paris gewählt. In seiner Antrittsrede betonte er die Bedeutung der Kunst für die Gesellschaft.
Künstlername und frühe Jahre
Baselitz wurde als Hans-Georg Kern in Sachsen geboren. Sein Künstlername ist eine Hommage an seinen Geburtsort Deutschbaselitz. Schon als Teenager begann er zu malen. Wegen „gesellschaftlicher Unreife“ flog er von der Kunsthochschule in Berlin und siedelte nach West-Berlin über.
Kontroversen und späte Jahre
Ende der 1970er Jahre schuf er kantig gesägte Holzskulpturen, die an afrikanische Kunst erinnern. Seine Skulptur für den deutschen Pavillon bei der Biennale 1980 sorgte für Aufsehen, da sie an einen Hitlergruß erinnerte. Als Reaktion auf das Kulturgutschutzgesetz 2016 zog er seine Dauerleihgaben aus deutschen Museen ab. Trotz seines Erfolgs blieb er von Angst vor dem Scheitern getrieben.



