Berlin – Nach dem überraschenden Rücktritt von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson (parteilos) schlägt die Berliner Kulturkonferenz Alarm. Die Vorsitzende des größten Bündnisses der Berliner Kulturverbände, Franziska Stoff, sieht die Kulturförderung in der Hauptstadt in ernster Gefahr. „Die Gemengelage insgesamt ist natürlich eine Gefahr für die Kulturförderung in der Stadt und für die Kultur insgesamt“, erklärte sie im RBB-„Inforadio“.
Stabilität an der Spitze gefordert
Stoff betonte die Dringlichkeit, wieder Ruhe und Verlässlichkeit in die Kulturverwaltung zu bringen. „Es ist wichtig, dass jetzt Stabilität einkehrt und der oder die Nachfolgerin von Wedl-Wilson entschlossen für die Kultur kämpft“, sagte sie. Besonders mit Blick auf die angespannte Haushaltslage und die knappen Kassen sei dies unerlässlich. „Wir fordern die Rücknahme von Kürzungen“, so Stoff deutlich.
Auf die Frage nach ihrer persönlichen Meinung zu Wedl-Wilson wollte sich Stoff nicht einlassen. Sie hob jedoch hervor, dass unter der bisherigen Senatorin „sehr, sehr viele gute Sachen“ erreicht worden seien. „Die sollte man nicht vergessen“, mahnte sie.
Hintergrund des Rücktritts
Wedl-Wilson war am Freitag zurückgetreten, nur fünf Monate vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus. Die 56-Jährige zog damit die Konsequenzen aus einem vernichtenden Bericht des Rechnungshofs. Dieser hatte die Förderung mehrerer Projekte im Bereich der Antisemitismusprävention als rechtswidrig eingestuft. Die Vorwürfe wiegen schwer und haben die kulturpolitische Landschaft Berlins erschüttert.
Für den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner (CDU) ist es bereits der zweite Wechsel an der Spitze der Kulturverwaltung während seiner Amtszeit. Die Suche nach einer geeigneten Nachfolge gestaltet sich angesichts der angespannten Situation als Herausforderung.
Die Berliner Kulturkonferenz, die sich als direkter Ansprechpartner für Politik und Verwaltung versteht, will den Druck aufrechterhalten. Sie fordert nicht nur personelle Kontinuität, sondern auch eine verlässliche finanzielle Ausstattung der Kulturlandschaft. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die Politik die Warnungen der Kulturszene ernst nimmt.



