Kritik: Einschüchternder Raum – „Fidelio“ im Justizpalast
Einschüchternder Raum: „Fidelio“ im Justizpalast

Der Münchner Justizpalast am Stachus ist ein beeindruckendes Bauwerk. Errichtet zwischen 1890 und 1897 nach den Plänen des Architekten Friedrich von Thiersch, beherbergt er nun eine außergewöhnliche Opernaufführung. Andreas Wiedermann und Ernst Bartmann bringen mit ihrer Truppe Opera Incognita Beethovens einzige Oper „Fidelio“ in die Zentralhalle des Gebäudes.

Ein Raum voller Symbolik

Die Wahl des Ortes ist kein Zufall. Der Justizpalast, in dem normalerweise Recht gesprochen wird, bildet den perfekten Rahmen für eine Oper, die von Freiheit, Gerechtigkeit und der Überwindung von Tyrannei handelt. Die hohen Säulen und die monumentale Architektur der Halle verleihen der Aufführung eine besondere Würde, aber auch eine einschüchternde Atmosphäre.

Kritik an der Inszenierung

Wiedermanns Inszenierung nutzt die räumlichen Gegebenheiten geschickt aus. Die Sänger bewegen sich zwischen den Säulen und auf den Treppen, was dem Stück eine fast filmische Qualität verleiht. Allerdings wird der Raum manchmal übermächtig. Die Akustik in der Halle ist herausfordernd: Die Stimmen hallen stark nach, was die Textverständlichkeit beeinträchtigt. Das Orchester, platziert in einer Ecke, kämpft gegen den Nachhall an.

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Die Darsteller sind durchweg engagiert, insbesondere der Tenor in der Rolle des Florestan, der mit seiner stimmlichen Kraft beeindruckt. Die Sopranistin als Leonore zeigt eine berührende Mischung aus Entschlossenheit und Verletzlichkeit. Dennoch wirkt die Inszenierung stellenweise überfrachtet. Die Regie setzt auf viele Bewegungselemente, die den Fokus von der Musik ablenken.

Fazit

„Fidelio“ im Justizpalast ist ein mutiges Experiment, das nicht vollständig aufgeht. Der Ort bietet grandiose Möglichkeiten, aber auch Herausforderungen, die nicht alle gemeistert werden. Für Liebhaber ungewöhnlicher Opernerlebnisse ist es dennoch einen Besuch wert.

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