In der Altmark bewahrt Gudrun Willenbockel ein seltenes Handwerk: die Paramentik. In ihrer Werkstatt entstehen gewebte, gestickte und genähte Kirchentextilien wie Altarbehänge, Kanzelbekleidungen und liturgische Gewänder. Ihr umfangreiches Wissen über die Geschichte dieser Textilien gibt sie in einem Workshop weiter.
Die liturgischen Farben und ihre Bedeutung
Seit Ostern bis zum Pfingstsonntag sind die Kirchen weiß geschmückt. Paramente leuchten dann in dieser Farbe, die das gesamte Farbspektrum umfasst und die Fülle der Herrlichkeit Gottes symbolisieren soll. Ostern und Weihnachten werden mit Weiß gekennzeichnet, während Pfingsten rot wird – die Farbe des schöpferischen Heiligen Geistes. Je nach Anlass und Zeit des Kirchenjahres sind den Textilien die liturgischen Farben Weiß, Rot, Grün und Violett zugeordnet, regional auch Schwarz und Rosa.
Evangelische und katholische Traditionen
Die evangelische Kirche legt mehr Wert auf die Textilien im Raum, während die katholische Kirche die Gewänder bevorzugt. Gudrun Willenbockel beherrscht beide Traditionen und fertigt Paramente für verschiedene Konfessionen an. Ihre Werkstatt in der Altmark ist eine der wenigen in Deutschland, die dieses Handwerk noch ausübt.
In ihrem Workshop vermittelt sie nicht nur Techniken des Webens und Stickens, sondern auch die tiefere Symbolik der Farben und Muster. Die Teilnehmer erfahren, wie die Textilien im Laufe der Jahrhunderte ihre Bedeutung verändert haben und welche Rolle sie im Gottesdienst spielen.
Die Paramentik ist ein kulturelles Erbe, das es zu bewahren gilt. Gudrun Willenbockel leistet dazu einen wichtigen Beitrag, indem sie ihr Wissen weitergibt und die Tradition der Kirchentextilien lebendig hält.



