Kritik: „Weinprobe für Anfänger“ im Bayerischen Hof begeistert
Kritik: „Weinprobe für Anfänger“ im Bayerischen Hof

Die französische Erfolgskomödie „Weinprobe für Anfänger“ feiert derzeit im Bayerischen Hof in München Premiere und begeistert das Publikum mit einer gelungenen Mischung aus Humor, Leichtigkeit und psychologischer Tiefe. Das Stück, das ursprünglich aus Köln stammt, ist noch bis Ende Mai in der bayerischen Landeshauptstadt zu sehen.

Charmante Inszenierung mit Tiefgang

Regisseur Jürgen Wölffer hat eine Inszenierung geschaffen, die weit über eine gewöhnliche Boulevardkomödie hinausgeht. Die Handlung dreht sich um Hortense, gespielt von Natalia Avelon, und Jacques, dargestellt von Moritz Lindbergh. Beide haben mit ihren eigenen Problemen zu kämpfen: Hortense leidet unter Bindungsangst und einem unerfüllten Kinderwunsch, während Jacques seit dem Tod seines Sohnes vor vielen Jahren dem Alkohol zugeneigt ist. Der Autor Ivan Calbérac und der deutsche Bearbeiter Horst Leonhard haben diese ernsten Themen jedoch nur in homöopathischen Dosen eingebaut, sodass die heitere Grundstimmung des Lustspiels nie getrübt wird.

Starke schauspielerische Leistungen

Natalia Avelon spielt die Hortense hinreißend liebevoll. Anfangs noch als Mauerblümchen mit Brille und mausgrauem Kostüm dargestellt, verwandelt sie sich im Laufe des Stücks in eine selbstbewusste Frau im kleinen Schwarzen. Besonders beeindruckend sind ihre akrobatischen Einlagen auf hohen Stöckelschuhen, die an ihre Kindheit als Balletttänzerin erinnern. Moritz Lindbergh gibt den Jacques gekonnt zwischen Souveränität und Zurückhaltung changierend, wobei seine heimliche Sehnsucht nach einem Neuanfang stets spürbar bleibt.

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Das Ensemble wird ergänzt durch Dustin Semmelrogge als begabten Kleinkriminellen, der zur Resozialisierung als Freigänger in Jacques’ Weinhandlung arbeitet, Stefan Rehberg als besorgten Hausarzt und Martin Armknecht als schnorrenden Buchhändler. Alle Darsteller überzeugen mit hohem komischen Talent, ohne dabei jemals zu übertreiben.

Die zentrale Weinprobe-Szene

Der Höhepunkt des Stücks ist die titelgebende Weinprobe, bei der alles aufgefahren wird: die gestelzten Fachausdrücke, die Grimassen zur Geschmacksprüfung und die komischen Assoziationen mit Oralsex, die sich beim Zuschauer einstellen, ohne von den Figuren selbst thematisiert zu werden. Die Ehrfurcht vor der Önologie bleibt dabei stets gewahrt, selbst beim Gag des Spucknapfes. Die Bühne von Jan Hax Halama zeigt eine elegante, moderne Weinhandlung in einer Altstadtgasse, die zum zentralen Treffpunkt aller Figuren wird.

Kritische Anmerkungen

Einzig die Figur des Kleinkriminellen wirkt mit dem Klischee „einmal kriminell, immer kriminell“ etwas eindimensional und mit bürgerlichen Vorurteilen belastet. Doch auch dies fügt sich in den humorvollen Gesamteindruck ein. Das Publikum zeigte sich begeistert und spendete viel Applaus, besonders Natalia Avelon erhielt mehrere große Blumensträuße von ihren Fans.

„Weinprobe für Anfänger“ ist noch bis zum 31. Mai dienstags bis sonntags im Bayerischen Hof in München zu sehen. Karten kosten zwischen 20 und 45 Euro und sind über die Website der Komödie München erhältlich.

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