Theater hinter Gittern: Häftlinge inszenieren Schillers „Die Räuber“
Häftlinge spielen Schillers „Die Räuber“ in JVA Adelsheim

Schillers Klassiker mal ganz anders: In der Justizvollzugsanstalt Adelsheim bei Heilbronn haben junge Straftäter eine eigene Version von „Die Räuber“ auf die Bühne gebracht. Das Projekt „Theater hinter Gittern“ des Theaters Konstanz ermöglicht Inhaftierten, sich künstlerisch auszudrücken und neue Perspektiven zu entwickeln.

Ein ungewöhnlicher Theaterabend

Die Besucher werden auf dem Weg zu ihren Plätzen mit dem Ruf „Willkommen im Knast!!“ empfangen. Statt Samtvorhängen gibt es Mauern und Stacheldraht, statt Tickets müssen Ausweise vorgezeigt werden. Im Publikum sitzen Vollzugsbeamte, Angehörige und Neugierige. Die Inszenierung von Felix Krakau verbindet Schiller-Verse mit moderner Sprache, Hip-Hop und Choreografie.

Herausforderungen in der Probenarbeit

Die Theaterpädagogin Amelie Wördehoff berichtet von Höhen und Tiefen: Ursprünglich waren 15 Häftlinge beteiligt, am Ende standen sieben auf der Bühne. Zwei Darsteller mussten zwei Wochen vor der Premiere wegen einer Prügelei ausscheiden. „Es war nicht klar, ob wir es bis hierhin schaffen“, sagt Wördehoff. Die Jugendlichen hätten wenig soziale Skills und respektloses Verhalten gezeigt, was zu Spannungen führte.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Realität und Fiktion verschwimmen

Die Handlung konzentriert sich auf die Räuberbande und deren Verantwortung für ihre Taten. Themen wie Reue, Strafe und Zusammenhalt werden verhandelt. Die jugendlichen Darsteller rappen und tanzen, während sie ihre eigenen Erfahrungen einfließen lassen. „Theater regt ganz viel an“, erklärt Wördehoff. „Man lernt, Verantwortung zu übernehmen und sich als Teil der Gruppe zu fühlen.“

Ein emotionaler Erfolg

Die Aufführung endet mit stehenden Ovationen. Die Darsteller zeigen Stolz und Freude. „Ich hatte richtig Schiss vor dem Auftritt, aber es hat unheimlich Spaß gemacht“, sagt der Darsteller des Karl. Der „Spiegelberg“ kündigt an, seinen Realschulabschluss nachzuholen und eine Ausbildung zu beginnen. JVA-Leiterin Katja Fritsche zieht ein positives Fazit: „Jeder Einzelne ist es wert. Sie können nun ihre Gedanken in die Zukunft richten.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration