Langzeitstudie: So viele Tassen Kaffee sind gut für die Psyche
Ist Kaffee womöglich mehr als nur ein Muntermacher am Morgen? Eine umfangreiche Langzeitstudie liefert jetzt überraschende Erkenntnisse: Das beliebte Heißgetränk könnte einen positiven Einfluss auf die psychische Gesundheit haben und das Risiko für bestimmte Stimmungs- und Stressstörungen verringern. Forscher der Fudan-Universität in China haben diese Zusammenhänge in einer groß angelegten Untersuchung mit Daten der UK Biobank analysiert.
Studie untersucht Kaffee und psychische Gesundheit
Die Wissenschaftler gingen der Frage nach, ob täglicher Kaffeekonsum die Psyche beeinflusst. Dabei untersuchten sie verschiedene Kaffeearten, darunter Instantkaffee, gemahlener Kaffee und entkoffeinierter Kaffee. Im Fokus standen Stimmungsstörungen wie Depressionen sowie Stressstörungen, beispielsweise die posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), die als Reaktion auf traumatische Erlebnisse entstehen kann.
Für die Studie wurden Daten von insgesamt 461.586 Teilnehmern ausgewertet, von denen 46,4 Prozent Männer waren und das Durchschnittsalter bei 57 Jahren lag. Alle Teilnehmer machten zu Beginn Angaben zu ihrem Kaffeekonsum, einschließlich der genauen Art des Kaffees. Über einen Median von 13,4 Jahren beobachteten die Forscher, wer im Laufe der Zeit eine stimmungs- oder stressbezogene Störung entwickelte, basierend auf medizinischen Diagnosecodes aus Krankenhausdaten. Spezielle Rechenmodelle ermöglichten es, Risiken über längere Zeiträume zu berechnen und Faktoren wie Geschlecht oder genetische Unterschiede im Koffeinabbau zu berücksichtigen.
Die ideale Tassenanzahl pro Tag
Während der Beobachtungszeit erkrankten 18.220 Personen an Stimmungsstörungen und 18.547 an Stressstörungen. Die Analyse zeigte einen J-förmigen Zusammenhang: Das Risiko für psychische Erkrankungen sank nicht einfach mit jeder zusätzlichen Tasse, sondern war bei moderatem Konsum am niedrigsten. Konkret waren zwei bis drei Tassen Kaffee pro Tag mit dem geringsten Risiko verbunden. Wer gar keinen oder mehr als drei Tassen trank, hatte ein höheres Risiko. Besonders auffällig war, dass fünf und mehr Tassen sogar mit einem erhöhten Risiko für Stimmungsstörungen in Verbindung standen.
Kaffeearten, Geschlecht und Gene im Vergleich
Das J-Muster zeigte sich bei allen untersuchten Kaffeearten, was darauf hindeutet, dass der Effekt nicht allein auf Koffein zurückzuführen ist. Bei Stimmungsstörungen war der Zusammenhang bei Männern ausgeprägter als bei Frauen. Genetische Unterschiede im Koffein-Stoffwechsel, wie etwa ein schneller Abbau von Koffein im Körper, spielten dagegen keine signifikante Rolle.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Studie keinen kausalen Beweis für Ursache und Wirkung liefern kann, sondern lediglich einen statistischen Zusammenhang aufzeigt. Dennoch ist bemerkenswert, dass in dieser Langzeitstudie mit mehr als 400.000 Probanden moderater Kaffeekonsum konsequent mit dem niedrigsten Risiko für stimmungs- und stressbezogene Störungen assoziiert war. Diese Erkenntnisse könnten zukünftige Forschungen zur Prävention psychischer Erkrankungen beeinflussen und Verbrauchern eine Orientierung für einen gesunden Lebensstil bieten.



