Größte Suchtklinik für Jugendliche in Deutschland steht vor dem Aus
Die nach eigenen Angaben größte Klinik für suchtkranke Kinder und Jugendliche in Deutschland steht unmittelbar vor der Schließung. Die Dietrich-Bonhoeffer-Klinik im niedersächsischen Großenkneten bei Oldenburg muss voraussichtlich Ende Juni ihren Betrieb einstellen. Eine Sprecherin des Trägervereins Leinerstift e.V. bestätigte diese dramatische Entwicklung und nannte als Hauptgrund eine massive und anhaltende Unterfinanzierung der therapeutischen Leistungen.
Finanzielle Notlage trotz politischer Unterstützung
Trotz intensiver Verhandlungen und breiter Unterstützung aus Verbänden sowie der Politik konnte keine Einigung mit dem federführenden Kostenträger erzielt werden. Die Klinik verzeichnete bereits im Jahr 2025 ein Defizit von mehr als einer Million Euro. Die Prognosen für die kommenden Jahre lassen erwarten, dass der ohnehin nicht auskömmliche Tagessatz weiter abgesenkt wird, was das finanzielle Loch noch vergrößern würde. Diese prekäre Situation zwingt den Träger nun zur drastischen Maßnahme der Schließung.
Bundesweit katastrophale Versorgungslage
Die Klinik in Großenkneten verfügt über 60 spezialisierte Betten für suchtkranke Kinder und Jugendliche. Bundesweit existieren nach Angaben der Einrichtung lediglich 85 Klinikplätze für die Rehabilitation, die sich an einen Entzug anschließt. Diese Zahl steht in krassem Missverhältnis zum Bedarf: Schätzungsweise 200.000 Kinder und Jugendliche in Deutschland leiden an Suchterkrankungen durch Abhängigkeit von Alkohol, Drogen oder Medikamenten. Zum Vergleich: Für erwachsene Suchtpatienten stehen bundesweit mehr als 13.000 Reha-Plätze zur Verfügung.
Drogenbeauftragter warnt vor schwerem Verlust
Der Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Hendrik Streeck (CDU), bezeichnete eine mögliche Schließung der Klinik als schweren Verlust für das deutsche Gesundheitssystem. „Gerade für junge Menschen mit Suchterkrankungen brauchen wir solche Therapieangebote dringend“, betonte Streeck. Er kündigte an, als Vermittler zwischen Betreibern und Rentenversicherung aufzutreten, um den Erhalt der wertvollen Therapieplätze zu sichern.
Streeck verwies auf besorgniserregende Trends: „Sucht und Abhängigkeit bei Jugendlichen nehmen zu, der Mischkonsum wird gefährlicher, die Zahl der Drogentoten unter 30 Jahren steigt und der Zugang zu Drogen ist durch das Internet so leicht wie nie“. Gerade deshalb sei eine frühe und spezialisierte Therapie für junge Abhängige von entscheidender Bedeutung.
Rettungsversuche laufen auf Hochtouren
Der Trägerverein Leinerstift e.V. hat inzwischen eine Spendenaktion initiiert, um Mittel für eine Weiterführung des Klinikbetriebs zu sammeln. Parallel dazu werden Unterstützer für eine Petition gesucht, die zwei Ziele verfolgt:
- Die unmittelbare Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik zu verhindern
- Eine ausreichende und nachhaltige Finanzierung der Suchtrehabilitation für Jugendliche bundesweit zu erreichen
Die kommenden Wochen werden entscheiden, ob Deutschlands größte Spezialklinik für suchtkranke Jugendliche eine Zukunft hat oder ob ein wichtiger Baustein im Hilfesystem unwiederbringlich verloren geht.



