Vestibuläre Migräne: Wenn Schwindelattacken das Leben bestimmen
Plötzlicher, starker Schwindel, der immer wiederkehrt – für Betroffene ist das nicht nur äußerst belastend, sondern auch beunruhigend, wenn die Ursache unklar bleibt. Während viele bei Schwindel zunächst an das Ohr denken, da sich dort das Gleichgewichtsorgan befindet, kann die Ursache auch im Gehirn liegen. Eine mögliche Diagnose ist die vestibuläre Migräne, auch als Schwindelmigräne bekannt. Das Gesundheitsmagazin „Apotheken Umschau“ informiert in seiner Ausgabe 4B/2026 ausführlich über diese neurologische Erkrankung.
Diagnose und Symptome der Schwindelmigräne
Anders als bei der klassischen Migräne steht bei der vestibulären Migräne nicht der Kopfschmerz im Vordergrund, sondern starke Schwindelattacken. Diese können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Tagen andauern, was die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt. Typische Begleitsymptome ähneln denen der bekannten Migräne und umfassen:
- Licht-, Lärm- und Geruchsempfindlichkeit
- Ein starkes Ruhebedürfnis
- Auren, wie etwa Flimmern vor den Augen
Die Erkrankung tritt häufig familiär gehäuft auf und manifestiert sich typischerweise im Alter zwischen 30 und 40 Jahren, wobei Frauen öfter betroffen sind als Männer. Personen, die bereits in der Vergangenheit unter Migräne litten, haben ein erhöhtes Risiko, an Schwindelmigräne zu erkranken. Neben den körperlichen Symptomen leiden viele Betroffene auch unter der Angst vor der nächsten Attacke, was zu sozialer Isolation führen kann.
Behandlungsmöglichkeiten und Prävention
Obwohl die vestibuläre Migräne derzeit nicht heilbar ist, stehen verschiedene Behandlungsoptionen zur Verfügung. Bei akuten Anfällen können Mittel gegen Schwindel und Übelkeit mit dem Wirkstoff Diphenhydramin helfen, der auch in Reisetabletten enthalten ist. Zudem kommen typische Migränemedikamente wie Schmerzmittel oder Triptane infrage.
Zur Vorbeugung schwerer Schwindelattacken bieten sich folgende Optionen an:
- Einnahme von Betablockern, Antidepressiva oder Kalziumkanalblockern
- Antikörpertherapie bei besonders hohem Leidensdruck
- Anwendung der neuen Wirkstoffklasse der Gepante
Betroffene sollten sich ärztlich beraten lassen, um die individuell beste Therapie zu finden. Zudem kann ein ausgeglichener Lebensstil das Risiko für Attacken verringern. Dazu gehören ausreichend Schlaf, Stressvermeidung, regelmäßige Mahlzeiten und moderate Bewegung.
Schwindelkalender als wichtiges Diagnosewerkzeug
Ein sorgfältig geführter Schwindelkalender kann sowohl bei der Diagnose als auch im Krankheitsmanagement hilfreich sein. Notizen über Datum, Art, Dauer und Stärke der Schwindelattacken sowie mögliche Auslöser wie Licht, Lärm oder Schlafmangel unterstützen Ärzte bei der Behandlung. Die Deutsche Hirnstiftung empfiehlt dieses Vorgehen auch dann, wenn noch keine definitive Diagnose vorliegt.
Falls ein HNO-Arzt keine Ursache für wiederkehrenden Schwindel feststellen kann, ist der Besuch einer neurologischen Praxis oder einer Schwindelambulanz ratsam, die in größeren Städten verfügbar sind. Eine frühzeitige Diagnose und individuelle Therapie können den Leidensdruck erheblich mindern und die Lebensqualität verbessern.



