Rostocker Wohnungsgenossenschaft startet Mega-Neubauoffensive trotz hoher Baukosten
Während sich viele Wohnungsunternehmen in der Hansestadt Rostock angesichts allgemeiner Preissteigerungen und hoher Baukosten bei Neubauprojekten zurückhalten, geht die Wohnungsgenossenschaft Schiffahrt-Hafen in die Offensive. Mit einer mutigen Investitionsstrategie plant die Genossenschaft gleich zwei große Bauvorhaben, die dringend benötigten Wohnraum schaffen sollen.
150 barrierearme Wohnungen in Lichtenhagen
Für mehr als 35 Millionen Euro entstehen in der Wolgaster Straße in Rostock-Lichtenhagen drei fünfgeschossige Mehrfamilienhäuser mit knapp 150 Wohnungen. Das Besondere: Die Gebäude werden in Hufeisenform innerhalb eines bestehenden Quartiers aus den 1970er-Jahren errichtet, umringt von DDR-Plattenbauten. Es handelt sich um eine sogenannte Nachverdichtung, bei der eine Innenfläche bebaut wird, die von der Straße aus nicht einsehbar ist.
„Die Nachfrage nach Wohnraum in Rostock ist erheblich“, betont Roland Blank, Vorstand der WG Schiffahrt-Hafen. „Deshalb setzen wir auf Zuwachs und Neubauten.“ Der Fokus liegt dabei besonders auf barrierearmen Wohnungen, die ein lebenslanges Wohnen im Stadtteil ermöglichen sollen.
Technische Details des Bauprojekts
Das ambitionierte Vorhaben umfasst mehrere innovative Aspekte:
- Insgesamt entstehen knapp 8500 Quadratmeter Wohn- und Nutzfläche
- Die Wohnungsgrößen variieren zwischen Eineinhalb- bis Dreizimmerwohnungen
- Unter allen drei Gebäuden erstreckt sich eine Tiefgarage mit 85 Stellplätzen
- Im Erdgeschoss von Haus 1 sind Gewerbeeinheiten geplant, darunter ein Pflegedienst mit Tagespflege
Ines Dietrich, ebenfalls Vorstand der Genossenschaft, erklärt den Zeitplan: „Im Spätsommer wollen wir den Bauantrag stellen und im Frühjahr 2027 hoffen wir auf den Baubeginn.“ Mit einer Bauzeit von etwa zweieinhalb Jahren rechnet die Vorständin.
Zweites Großprojekt im Stadtzentrum
Parallel zu dem Lichtenhagener Vorhaben treibt die WG Schiffahrt-Hafen ein weiteres ambitioniertes Projekt im Rostocker Stadtzentrum voran. Für mehr als 60 Millionen Euro ist in der Bleicherstraße ein neues Mehrgenerationen-Quartier geplant, das aus neun Mehrfamilienhäusern und einem Parkhaus bestehen soll. Hier entstehen 130 zusätzliche Wohnungen, die der extremen Nachfrage nach innerstädtischem Wohnraum Rechnung tragen.
„Damit reagieren wir auf die extreme Nachfrage nach Wohnungen in der Rostocker Innenstadt“, unterstreicht Roland Blank. „Zudem wollen wir unser Portfolio maßgeblich erweitern.“ Die WG Schiffahrt-Hafen ist mit insgesamt 10.200 Wohnungen bereits das zweitgrößte Wohnungsunternehmen in Rostock nach der Wiro und verfügt allein in Lichtenhagen über 1111 Wohnungen.
Finanzielle Herausforderungen und Zukunftsperspektiven
Die gleichzeitige Realisierung beider Großprojekte stellt die Genossenschaft vor erhebliche finanzielle Herausforderungen. Ines Dietrich gibt zu bedenken: „Beide Neubauvorhaben parallel bedeuten einen finanziellen Kraftakt für die Genossenschaft. Unser ganzes Team ist gerade stark gefordert.“
Trotz der schwierigen Rahmenbedingungen mit hohen Baukosten und allgemeinen Preissteigerungen zeigt die Wohnungsgenossenschaft Schiffahrt-Hafen mit ihrer Investitionsoffensive Weitsicht. Die geplanten barrierearmen Wohnungen in Lichtenhagen und das Mehrgenerationen-Quartier in der Innenstadt adressieren gezielt aktuelle gesellschaftliche Bedürfnisse und tragen zur nachhaltigen Stadtentwicklung Rostocks bei.



