Zeitumstellung erhöht Wildunfall-Gefahr: Tipps für Autofahrer in der Dämmerung
Die Umstellung auf die Sommerzeit in der Nacht vom 28. auf den 29. März bringt nicht nur den Mini-Jetlag für manche Menschen mit sich, sondern hat auch direkte Auswirkungen auf die Verkehrssicherheit. Ein Teil des morgendlichen Berufsverkehrs fällt für mehrere Wochen in die Dämmerungsphase - genau die Zeit, in der Wildtiere besonders aktiv sind.
Warum steigt die Gefahr im Frühling?
Der Deutsche Jagdverband (DJV) warnt eindringlich vor erhöhter Wildunfall-Gefahr. Rehe, Füchse, Waschbären und Feldhasen sind in der Dämmerung besonders aktiv und kreuzen dabei regelmäßig Verkehrswege. Nach der winterlichen Fastenzeit gehen Pflanzenfresser verstärkt auf Futtersuche und wechseln dabei zwischen ihren Lebensräumen.
Torsten Reinwald, DJV-Pressesprecher und Jäger, erklärt: "Die Tiere wechseln quasi von ihrem Schlafzimmer ins Esszimmer." Rehe legen vier bis sechs Fresspausen täglich ein und überqueren dabei zahlreiche Straßen. Zusätzlich beginnen bei Rehböcken die Revierkämpfe, wodurch geschlechtsreife einjährige Böcke vertrieben werden und neue Orte suchen müssen.
Die gefährlichsten Zeiten sind hauptsächlich zwischen 6.00 und 8.00 Uhr sowie 21.00 und 23.00 Uhr. Laut Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) steigt die Unfallgefahr besonders in den Monaten April und Mai deutlich an.
Sicherheitsmaßnahmen für Autofahrer
Folgende Verhaltensregeln können Wildunfälle verhindern:
- Tempo reduzieren: In der Dämmerung und an unübersichtlichen Wald- und Feldrändern sollte die Geschwindigkeit deutlich verringert werden. Bei Tempo 80 statt 100 verkürzt sich der Bremsweg bereits um 25 Meter.
- Besondere Wachsamkeit: Auf neuen Strecken durch Wälder ist erhöhte Aufmerksamkeit geboten, da Tiere ihre gewohnten Routen weiterhin nutzen.
- Nicht riskant ausweichen: Bei Tieren am Straßenrand: Abblenden, hupen und bremsen. Ein Aufprall verläuft meist glimpflicher als ein misslungenes Ausweichmanöver, das im Gegenverkehr oder an Bäumen enden kann.
- Mit Nachzüglern rechnen: Taucht ein Tier auf, sind meist weitere in der Nähe.
Richtiges Verhalten nach einem Wildunfall
Im Ernstfall sollten Autofahrer folgende Schritte beachten:
- Unfallstelle sichern: Warnblinker einschalten, Warnweste anlegen, Warndreieck aufstellen
- Polizei unter 110 verständigen (bei Verletzten zusätzlich 112 wählen)
- Tote Tiere nur mit Handschuhen anfassen, lebenden Tieren fernbleiben
- Wild niemals ins Auto laden - dies gilt als Wilderei
- Geflohene Tiere melden, damit Jäger verletzte Tiere finden können
- Wildunfallbescheinigung von Jäger oder Polizei ausstellen lassen
Versicherungsschutz bei Wildunfällen
Eine Voll- oder Teilkaskoversicherung deckt Schäden durch Haarwild wie Rehe und Wildschweine ab. Vögel sind nicht überall inbegriffen. Einige Policen bieten erweiterten Schutz für weitere Tierarten. Der Schadenfreiheitsrabatt wird durch Wildunfälle nicht beeinflusst.
Ohne Kaskoversicherung bleiben Autofahrer auf den Kosten sitzen - die Kfz-Haftpflicht reicht nicht aus. Laut GDV verzichteten 2024 etwa 11 Prozent der Autofahrer auf Kaskoschutz. Die Versicherer zählten 2024 rund 276.000 Wildunfälle mit durchschnittlichen Schäden von 4.100 Euro.
Daten und Meldemöglichkeiten
Laut DJV-Auswertung des Tierfund-Katasters sind Rehe bei etwa jedem zweiten gemeldeten Wildunfall beteiligt. Jeder zehnte Unfall betrifft Hasen und Kaninchen, gefolgt von Fuchs, Dachs, Marderhund und Waschbär. Wildunfälle und tote Tiere können über das Tierfund-Kataster (www.tierfund-kataster.de) oder die entsprechende App gemeldet werden.



