Spritpreis-Protest: Autokonvoi rollt von Emden nach Berlin - „Uns platzt die Hutschnur“
Ein beeindruckender Autokonvoi rollte am Freitag von Ostfriesland in Richtung der deutschen Hauptstadt Berlin, um gegen die stark gestiegenen Spritpreise zu demonstrieren. Die Protestaktion startete um 9 Uhr morgens in Emden mit anfänglich 25 Fahrzeugen, entwickelte sich jedoch im Verlauf der Fahrt zu einer deutlich größeren Bewegung.
Wachsende Teilnehmerzahl und polizeiliche Begleitung
Die Kolonne wuchs kontinuierlich an und erreichte an der Landesgrenze bei Wolfsburg ihre maximale Größe von 82 Fahrzeugen. Damit erstreckte sich der Konvoi zeitweise über eine beachtliche Länge von etwa 2,5 Kilometern. Die Polizei Osnabrück begleitete die Demonstration durchgehend mit Streifenwagen und Motorrädern und zog eine positive Zwischenbilanz für den niedersächsischen Streckenabschnitt.
„Es gab keine größeren Verkehrsstörungen oder dergleichen. Wir sind insgesamt sehr zufrieden mit dem Verlauf – das hat gut funktioniert“, erklärte ein Polizeisprecher. Gegen 16.45 Uhr legte die Kolonne einen geplanten Zwischenstopp in Wolfsburg ein, bevor die Fahrt über Sachsen-Anhalt weiter in Richtung Berlin ging.
Organisator Sebastian Bormann und seine Motivation
Die Demonstration war unter dem Namen „17.04.2026 Generalstreik – Von Emden nach Berlin mit 50 km/h“ angemeldet und genehmigt worden. Organisator Sebastian Bormann aus Emden hatte über soziale Netzwerke zu dem Protest aufgerufen, wobei seine Videos nach eigenen Angaben hunderttausendfach geklickt wurden.
„Die ganzen Kosten sind einfach immens hoch“, begründete Bormann seine Aktion. „Von der Bundesregierung und Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) fühle ich mich im Stich gelassen, Wahlversprechen werden nicht eingehalten. Und da platzt uns als Bürgern natürlich irgendwann die Hutschnur.“ Mit dem Konvoi wollte er ein sichtbares Zeichen setzen und auf die Belastungen durch hohe Kraftstoffpreise aufmerksam machen.
Streng geregelte Route und weitere Proteste
Für den Konvoi galten besondere Regeln: Nur Fahrzeuge, die für Geschwindigkeiten über 60 Kilometer pro Stunde zugelassen sind, durften teilnehmen. Autobahnen waren tabu – entgegen ursprünglicher Planungen wurde eine Route über Bundesstraßen festgelegt, die über Cloppenburg, Nienburg, Celle und Wolfsburg bis zur niedersächsischen Landesgrenze und weiter über Sachsen-Anhalt nach Brandenburg führte.
Die Polizei in Berlin erwartete die Fahrzeuge am Abend an der westlichen Stadtgrenze und plante, die Kolonne bis zum Reichstagsgebäude in Berlin-Mitte zu begleiten. Parallel dazu gab es in Leipzig eine weitere Demonstration mit Autokorso, an der etwa 22 Lkws und 69 Autos teilnahmen, die von Vertretern des Mittelstands, Handwerks sowie der Transport- und Logistikbranche organisiert wurde.
Entspannung an den Tankstellen
Interessanterweise hat sich die Preissituation an den Tankstellen zuletzt deutlich entspannt. Seit dem Hoch rund um Ostern sind die Spritpreise spürbar gefallen. Sowohl Diesel als auch Superbenzin der Sorte E10 wurden billiger. Nach Angaben des ADAC kostete E10 im bundesweiten Tagesschnitt 2,077 Euro pro Liter – ein Rückgang um 1,2 Cent gegenüber dem Vortag. Diesel verbilligte sich sogar um 2,6 Cent auf 2,211 Euro pro Liter.
Am Freitagmorgen boten einzelne Tankstellen in einigen Regionen den Liter E10 bereits für weniger als 2 Euro an. Diese Entwicklung steht in bemerkenswertem Kontrast zu den anhaltenden Protesten, die die langfristige Belastung durch Kraftstoffkosten thematisieren.



