Warnstreiks im Nahverkehr: Burgenlandkreis nun betroffen - Verhandlungen in Sicht
Nahverkehrsstreik erreicht Burgenlandkreis - Gespräche geplant

Nahverkehrsstreiks weiten sich aus: Burgenlandkreis nun betroffen

Nachdem in der vergangenen Woche bereits weite Teile Sachsen-Anhalts von massiven Einschränkungen im öffentlichen Nahverkehr betroffen waren, hat der Warnstreik nun auch den Burgenlandkreis im Süden des Bundeslandes erreicht. Ein Sprecher der Gewerkschaft Verdi bestätigte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur: „Der Streik ist angelaufen, es fahren nur ganz vereinzelt Linien raus.“ Die Arbeitsniederlegung dauert bis einschließlich Freitag, den 27. März 2026, an und betrifft insbesondere auch den Schülerverkehr.

Zwei parallele Tarifkonflikte sorgen für anhaltende Unruhe

Hintergrund der Streikwelle sind zwei unterschiedliche Tarifkonflikte, die sich bereits seit Anfang des Jahres hinziehen. Im kommunalen Nahverkehr der kreisfreien Städte Magdeburg, Halle und Dessau-Roßlau fordert Verdi unter anderem:

  • Eine 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
  • Grundlegende Entlastungen für die Beschäftigten
  • Verbesserte Arbeitsbedingungen im öffentlichen Verkehr

Für diesen Konflikt ist die nächste Verhandlungsrunde am kommenden Montag, den 30. März, angesetzt. Parallel dazu läuft ein zweiter Tarifstreit mit dem Arbeitgeberverband Nahverkehr (AVN), der regionale Verkehrsunternehmen in Gebieten wie der Börde oder dem Harz betrifft. Hier sind die nächsten Gespräche erst für Mai geplant.

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Rechtliche Auseinandersetzungen verzögerten Streik im Burgenlandkreis

Der Burgenlandkreis war zunächst von den Streiks verschont geblieben, da die Personenverkehrsgesellschaft Burgenlandkreis (PVG) gerichtlich gegen einen ersten Streikaufruf vorgegangen war. Nachdem das Arbeitsgericht in Halle entschieden hatte, dass der geplante Ausstand nicht rechtswidrig sei, konnte Verdi den Streik nun doch durchführen. Ein Gewerkschaftssprecher äußerte sich bedauernd über die Auswirkungen auf Schülerinnen und Schüler: „Unser Ziel ist nicht, die Schülerinnen und Schüler direkt zu treffen. Das ist aber ein Effekt eines Arbeitskampfes.“

Arbeitgeber kritisieren Forderungen als überzogen

Der Kommunale Arbeitgeberverband (KAV) übt scharfe Kritik an den Gewerkschaftsforderungen. In einer Stellungnahme heißt es, kommunale Verkehrsunternehmen und Kommunen unterlägen strengen Haushaltsvorgaben bei angespannter Haushaltslage. Diese biete keinen Spielraum für die Erfüllung derart überzogener Forderungen. Der Verband warnt zudem, dass bei einer Umsetzung der Gewerkschaftsforderungen eine Erhöhung der Fahrpreise nicht ausgeschlossen werden könne.

Regionale Auswirkungen sehr unterschiedlich bewertet

Die Auswirkungen der Streiks werden von den Konfliktparteien unterschiedlich eingeschätzt:

  • In Magdeburg zeigte sich Gewerkschaftssprecher Benjamin Schladitz zufrieden mit der Streikbeteiligung, während die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) von einer geringeren Beteiligung als erwartet sprachen
  • In Dessau-Roßlau fuhren nach Angaben der dortigen Verkehrsgesellschaft DVV weder Busse noch Straßenbahnen, ohne dass ein Notfallkonzept angeboten werden konnte
  • In Halle und dem Saalekreis bot die Havag während der gesamten vier Streiktage einen Ersatzfahrplan an, der nach Angaben von Stadtwerke-Sprecherin Iris Rudolph gut funktionierte

Bereits ab dem 12. März war der öffentliche Nahverkehr in weiten Teilen Sachsen-Anhalts für vier Tage weitgehend zum Erliegen gekommen. Die aktuellen Warnstreiks setzen diese Entwicklung fort und verdeutlichen die anhaltenden Spannungen im öffentlichen Verkehrssektor des Bundeslandes.

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