Porsche Cayenne Electric: Wird das vollelektrische SUV zum Rettungsanker für die Marke?
Nachdem der elektrische Vorreiter Taycan zum Ladenhüter und der Macan vom Verbrenner-Bestseller zum Elektro-Mitläufer geworden ist, setzt Porsche nun alles auf eine Karte: den neuen Cayenne Electric. Mit diesem vollelektrischen SUV starten die Schwaben einen entscheidenden Vorstoß in die E-Mobilität und machen dabei vieles anders als bisher.
Design: Riesige Seife oder gelungene Form?
Am Design des elektrischen Cayenne scheiden sich die Geister. In dem Bestreben, einen möglichst niedrigen cW-Wert für eine hohe Reichweite zu erreichen, ist das SUV zu einer gewaltigen, kantenfrei geformten Seife geworden, die Charakter vermissen lässt. Doch innen überrascht ein Bildschirm, der sich im eleganten Schwung über die Mittelkonsole bis zu den Knien des Fahrers biegt – neu und anders als alles Gewohnte, auch wenn sich der praktische Mehrwert nicht sofort erschließt.
Leistung und Fahrverhalten: Ein neuer Maßstab
Diskussionslos beeindruckend bleibt das Fahrverhalten. Mit einer messerscharfen Lenkung, explosiver Beschleunigung und Bremsen mit dem Biss einer wütenden Bulldogge fährt der elektrische Cayenne um Längen besser als die meisten Konkurrenten, egal ob elektrisch oder konventionell angetrieben. Er ist mit einer Overboost-Leistung von kurzfristig 850 kW/1.156 PS das stärkste Serienauto, das Porsche je gebaut hat. Nie haben sich 2,7 Tonnen leichter angefühlt, und nie wurde ein solcher Koloss so mühelos über enge Pisten getrieben.
Technische Innovationen: Tief in der Kiste gegraben
Für das womöglich beste SUV im Luxussegment hat Porsche tief in die Technikkiste gegriffen. Das adaptive Luftfederungsfahrwerk mit zwei Kammern ermöglicht besonders schnelle Reaktionen, die Hinterachslenkung macht den Cayenne so wendig wie einen Boxster, und beim Bremsen hilft die E-Maschine mit bis zu 600 kW als Generator – die Rekuperation ist so effektiv wie bei einem Formel-1-Rennwagen.
Motorvarianten und Reichweite: Kein Kleckern, sondern Klotzen
Schon das Basismodell verfügt über zwei Motoren mit zusammen 325 kW/442 PS und erreicht 230 km/h. Der Cayenne S bietet 490 kW/666 PS und 250 km/h, während der Turbo mit bis zu 850 kW/1.156 PS die Spitze markiert – das reicht für einen Sprint auf 100 km/h in nur 2,5 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h. Bemerkenswert: Der E-Turbo ist mit 165.500 Euro rund 20.000 Euro günstiger als das Top-Modell der benzinbetriebenen Cayennes.
Bei der Batterie wird ebenfalls geklotzt: Ein 113-kWh-Akku ermöglicht laut Porsche bis zu 642 Normkilometer Reichweite. Das Laden erfolgt mit bis zu 400 kW am Gleichstrom und bestenfalls 22 kW am Wechselstrom; gegen Aufpreis ist sogar induktives Laden möglich.
Praktikabilität und Ausstattung: Mehr Platz und Zugkraft
Als Elektromodell ist der Cayenne um knapp sechs Zentimeter auf 4,99 Meter länger, hat fast 13 Zentimeter mehr Radstand und bietet innen deutlich mehr Platz, besonders in der zweiten Reihe. Der Kofferraum fasst 747 bis 1.554 Liter, dazu kommen 90 Liter Ladevolumen im Frunk. Als eines der ersten E-Fahrzeuge kann er bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Neu sind auch elektrische Türen, die den Umstieg erleichtern.
Fazit: Aller guten Dinge sind drei
Der elektrische Cayenne fährt besser als sein Verbrenner-Pendant, ist kaum weniger langstreckentauglich, dazu geräumiger, praktischer und in einigen Versionen sogar günstiger. Wenn Porsche die Restwerte in den Griff bekommt, gibt es kaum rationale Gründe gegen die elektrische Version. Doch Porsche lebte stets von Emotionen und der Lust an der Unvernunft – und hier tun sich die E-Modelle nach wie vor schwer. Der Cayenne Electric könnte dennoch zum Rettungsanker werden, den die Marke dringend braucht.



