Mehr tödliche Fahrradunfälle: Ältere besonders gefährdet
Mehr tödliche Fahrradunfälle: Ältere gefährdet

Immer mehr Menschen in Deutschland nutzen das Fahrrad, sei es für den Arbeitsweg, den Wochenendausflug oder die Fahrt durch die Stadt. Oft steigen sie dabei auf ein E-Bike um. Doch die Zahl der tödlich verunglückten Radfahrer nimmt zu, wie neue Daten des Statistischen Bundesamtes belegen.

Anstieg der Todesfälle

Im vergangenen Jahr kamen in Deutschland 462 Radfahrer im Straßenverkehr ums Leben, ein Anstieg um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit war etwa jeder sechste tödlich verunglückte Verkehrsteilnehmer (16,4 Prozent) auf einem Fahrrad unterwegs. Besonders auffällig: 217 der getöteten Radfahrer, also fast jedes zweite Opfer, saßen auf einem Pedelec, umgangssprachlich E-Bike genannt. Seit 2015 ist die Zahl der getöteten Radfahrer insgesamt um 20,6 Prozent gestiegen, was laut Bundesamt hauptsächlich auf die Zunahme bei Pedelec-Nutzern zurückzuführen ist. Waren es 2015 noch 36 getötete Pedelec-Fahrer, stieg die Zahl bis 2025 auf 217.

Ältere Menschen besonders betroffen

Die Statistik zeigt, dass ältere Menschen überproportional häufig betroffen sind: Gut 61 Prozent der tödlich verunglückten Radfahrer waren 65 Jahre oder älter. Bei den Pedelecs ist ihr Anteil sogar noch höher. Allerdings weist das Bundesamt darauf hin, dass die zurückgelegte Fahrleistung in der Statistik nicht berücksichtigt wurde.

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Infrastruktur hält nicht Schritt

Kirstin Zeidler, Leiterin der Unfallforschung im Gesamtverband der Versicherer (GDV), erklärt: „Wir haben seit vielen Jahren einen Fahrradboom und auch immer mehr Pedelecs auf den Straßen. Das ist grundsätzlich positiv. Doch die Radinfrastruktur hat sich nicht wie nötig mitentwickelt. Zudem sind die schwereren Pedelecs mit stärkerer Beschleunigung schwieriger zu kontrollieren.“ Bei Stürzen seien die Verletzungen bei Älteren in der Regel schwerer.

Unfallmuster und Verantwortung

Radfahrer verunglücken selten allein: In zwei Dritteln der Unfälle mit Personenschaden ist ein weiterer Verkehrsteilnehmer beteiligt. Bei Unfällen mit Fußgängern wurde dem Radfahrer in 58,1 Prozent der Fälle die Hauptschuld angelastet. Waren Autofahrer beteiligt, trugen Radfahrer in 25,3 Prozent der Fälle die Hauptschuld. Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung bei der Björn Steiger Stiftung, betont, dass Radfahrer durch Aufmerksamkeit und Vermeidung von Ablenkung wie Handynutzung selbst zur Sicherheit beitragen können. Fußgänger wiederum sollten nicht nur auf ihr Gehör vertrauen, da leise Räder leicht überhört werden.

Forderungen nach Maßnahmen

Brockmann und Zeidler fordern Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur, insbesondere an unübersichtlichen Kreuzungen. „Am besten wäre ein getrenntes Grün für Radfahrer und Kraftfahrzeuge an Ampelkreuzungen“, sagt Zeidler. Wichtig seien auch gut ausgebaute Radwege mit Abstand zum parkenden Verkehr sowie separate Radwege an Landstraßen. Zudem empfiehlt sie ein Pedelec-Training speziell für Ältere und appelliert an alle Radfahrer, einen Helm zu tragen – nicht als Pflicht, sondern aus Eigenverantwortung. Die Entwicklung bei Skifahrern, die inzwischen fast alle Helme tragen, zeige, dass dies möglich sei.

Regelbrüche bei Radfahrern

Zeidler betont auch die Notwendigkeit von Kontrollen gegen zu schnelle oder behindernd parkende Autofahrer. Allerdings räumt sie ein: „Wir wissen aus Untersuchungen, dass Radfahrende selbst Regelbrüche begehen: Fahren auf Gehwegen oder in die falsche Fahrtrichtung sind typische Unfallursachen.“

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