Drohende Kerosinknappheit: Linken-Chefin Schwerdtner drängt auf Streichung von Kurzstreckenflügen
Wird in Deutschland das Kerosin knapp? Die Bundesregierung zeigt sich alarmiert – und aus der Opposition kommt die deutliche Forderung nach einem Aus für Flüge unter 500 Kilometer. Die Linken-Co-Vorsitzende Ines Schwerdtner hat die Regierung aufgefordert, umgehend Maßnahmen gegen eine mögliche Treibstoffknappheit zu ergreifen.
Schwerdtner: "Niemandem den Sommerurlaub strittig machen"
"Alle Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, müssen auch einen Sommerurlaub haben", sagte Schwerdtner in einem Interview. Wenn Kerosin knapper werde, dürfe das nicht zulasten der Mehrheit gehen. "Während Familien jeden Euro zweimal umdrehen müssen, fliegen Manager und Superreiche weiter bequem durch die Gegend, oft auf Strecken, die man problemlos mit dem Zug zurücklegen kann."
Flüge in Privatjets und Kurzstrecken unter 500 Kilometer gehörten jetzt gestrichen, so die Linken-Co-Vorsitzende. "In so einer Krise möchte ich niemandem den Sommerurlaub strittig machen, sondern allen Managern sagen: Nehmt mal eure BahnCard 100 und setzt euch in den ICE. Es kann nicht sein, dass Superreiche weiterhin mit Privatjets unterwegs sind und dadurch ein ohnehin knappes Gut weiter verknappen."
Grünenpolitiker unterstützt Forderung
Auch der Grünen-Energiepolitiker Michael Kellner hält angesichts eines möglichen Treibstoffmangels innerdeutsche Flüge für verzichtbar. Das gelte auch für Kurzstreckenflüge ins europäische Ausland oder Privatjets, sagte Kellner. "Deutschland sollte sparen." Frachtverkehr und internationale Verbindungen sollten Vorrang haben, Rettungsflüge sowieso. Für die Zukunft forderte Kellner eine Entscheidung über eine "grüne Kerosin-Fabrik" in der Lausitz, da E-Fuels im Luftverkehr dringend notwendig seien.
Bundesregierung berät über Versorgungslage
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) warf Schwerdtner vor, die Augen vor einer drohenden Knappheit zu verschließen. Die Versorgungssicherheit in Deutschland sei gewährleistet, betonte die Ministerin. "Wir stehen nicht unvorbereitet da. Wir lassen uns aber nicht treiben. Wir handeln gezielt, wir handeln abgestimmt mit kühlem Kopf."
Deutschland habe sich früh an der Freigabe strategischer Ölreserven über die Internationale Energieagentur beteiligt. Zusätzlich halte der Erdölbevorratungsverband rund 1,1 Millionen Tonnen Kerosin vor. Staatssekretäre des Bundeswirtschafts- und Verkehrsministeriums berieten am Montag mit Branchenverbänden über die Versorgungslage.
Kanzler Merz kündigt Nationalen Sicherheitsrat an
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte bei der Eröffnung der Hannover Messe eine Reaktion der Bundesregierung auf den drohenden Mangel angekündigt. "Wir werden sehr zeitnah einen Nationalen Sicherheitsrat zu dem Thema Versorgungssicherheit einberufen", sagte er. Momentan gelte die Versorgung mit Kerosin als angespannt, aber sicher. "Wir sind auf Maßnahmen vorbereitet."
Vizekanzler Lars Klingbeil forderte im SPIEGEL: "Wir müssen die Warnungen vor Kerosinknappheit sehr ernst nehmen. Für mich ist klar: Wir sollten nicht nur das Preisproblem angehen, sondern müssen jederzeit auch die Versorgungssicherheit im Blick haben."
Aktuelle Lage und Prognosen
Aktuell gibt es keinen Mangel an Flugtreibstoff in Deutschland. Die Luftfahrt hat einen Bedarf von rund neun Millionen Tonnen Treibstoff im Jahr. Raffinerien in Deutschland decken 45 Prozent des Bedarfs, ein Drittel wird importiert. Der Erdölbevorratungsverband lagert etwa eine Million Tonnen Kerosin, was für sechs Wochen reicht.
Der internationale Airline-Verband IATA erklärte, in Europa könnten Flüge ab Ende Mai ausfallen, weil der Treibstoff knapp wird. Die Internationale Energieagentur prognostiziert einen Mangel ab Juni, wenn Europa nur die Hälfte der Lieferungen aus dem Nahen Osten ersetzen kann. Erste Flugstreichungen wurden bereits bekannt, unter anderem von KLM mit 160 gestrichenen Europa-Flügen.



