Die Geduld der Zugreisenden mit der Deutschen Bahn ist aufgebraucht. Verspätungen und Ausfälle lassen die Deutschen umsteigen – aufs Auto. Laut der aktuellen Mobilitätsstudie des Versicherers HUK-Coburg meiden 35 Prozent der Bundesbürger inzwischen Zugfahrten, wann immer es geht.
Alarmierende Zahlen zur Bahn-Nutzung
Die Zahlen sind alarmierend: 26 Prozent planen wichtige Termine gar nicht mehr mit der Bahn. Wer dennoch fährt, kalkuliert mit größeren Zeitpuffern als noch vor zwei Jahren. Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (57, CDU) schlug wegen des Zustands der Deutschen Bahn bereits Alarm: „Das geht schon in eine demokratiegefährdende Richtung.“
Besonders hoher Frust in Nordrhein-Westfalen
In Nordrhein-Westfalen ist der Frust besonders groß: 57 Prozent sagen, dass die Verlässlichkeit der Zeitplanung für Fahrten in den vergangenen fünf Jahren gesunken ist – höchster Wert bundesweit. Der Durchschnitt liegt bei 49 Prozent. In Thüringen und Hamburg ist die Unzufriedenheit mit je 38 Prozent am geringsten.
Dazu kommt die Angst vor Gewalttaten und dass Bahnhöfe und Zugfahrten immer unsicherer werden – besonders in Abend- und Nachtstunden. Groß ist der Vertrauensverlust in die Bahn besonders bei den Jüngeren. In der Altersgruppe der 16- bis 24-Jährigen ist der Glaube an die Zukunftsfähigkeit der Bahn am stärksten eingebrochen.
Auto erlebt Comeback – besonders bei Jüngeren
Gleichzeitig erlebt das Auto ein Comeback: Mit 76 Prozent Zustimmung ist es das beliebteste Verkehrsmittel – ein neuer Rekord. Die höchsten Werte gibt es in Rheinland-Pfalz (82 Prozent), gefolgt von Niedersachsen (80 Prozent) und NRW (79 Prozent).
Vor allem unter 40-Jährige treiben den Auto-Trend an. Ihre Vorliebe für die individuelle Mobilität ist in den vergangenen vier Jahren viermal so stark gestiegen wie bei Älteren. Der Unterschied zwischen den Generationen ist damit fast verschwunden: 75 Prozent der Jüngeren und 76 Prozent der Älteren sehen im Auto das Verkehrsmittel der Zukunft. 2022 lag dieser Wert noch bei 64 zu 73 Prozent.
Das Fahrrad verliert dagegen massiv an Zustimmung. Seit der Corona-Pandemie ist die Beliebtheit um mehr als ein Drittel gesunken, nur noch 16 Prozent sehen es als Zukunftsmodell.
Wunsch nach besserem Nahverkehr bleibt – aber kostenfrei
Trotz Rückkehr zum Auto bleibt der Wunsch nach einem besseren Nahverkehr hoch – aber nur, wenn er für lau ist: Mehr als zwei Drittel der Befragten sprechen sich für einen kostenfreien ÖPNV und eine höhere Taktung aus.



