Tafel Prenzlau: 85 Prozent der Nutzer haben Migrationshintergrund - Inflation trifft besonders hart
Tafel Prenzlau: 85% der Nutzer mit Migrationshintergrund (28.02.2026)

Inflation treibt Menschen zur Tafel: Besonders Migranten betroffen

Die anhaltende Inflation zeigt in Prenzlau ihre gravierenden Auswirkungen. Im Januar stieg die Inflationsrate um weitere 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat, nach bereits 1,8 Prozent im Dezember 2025. Das Statistische Bundesamt führt diese Entwicklung primär auf steigende Nahrungsmittelpreise zurück. Für viele Menschen in der Uckermark bedeutet dies eine existenzielle Bedrohung, die sie zur Tafel Prenzlau treibt.

Besorgniserregende demografische Entwicklung

Kerstin Kühn, die Leiterin der Tafel Prenzlau, bestätigt eine alarmierende Entwicklung: Circa 85 Prozent der Nutzer ihrer Einrichtung haben inzwischen einen Migrationshintergrund. Die Mehrheit dieser Personen stammt aus der Ukraine und bezieht Bürgergeld. „Der Nachweis über den Bezug von staatlichen Leistungen ist Voraussetzung für den Besuch der Tafel“, erklärt die 58-Jährige. „Andere persönliche Daten erheben wir nicht.“

Im vergangenen Jahr betreute das Team unter Regie des AWO-Kreisverbandes insgesamt 5680 Besucher. Die meisten erwarben preiswerte Waren im sogenannten Zusatzversorgungsladen, fast 500 Personen kamen zum wöchentlichen Mittagstisch am Mittwoch. Besonders betroffen sind laut Kühn ältere Menschen, Familien sowie Bezieher kleiner Gehälter und Renten.

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Supermarktaktion gegen Engpässe

Um die Versorgungslage zu stabilisieren, startete Rewe-Markt-Betreiber Matthias Becker eine besondere Aktion. Unter dem Motto „Gemeinsam Teller füllen“ können Kunden in den nächsten 14 Tagen zusätzlich zum eigenen Einkauf vorgepackte Tüten mit haltbaren Lebensmitteln erwerben, die direkt der Tafel zugutekommen. „Er unterstützt, wo er kann, ist absolut verlässlich“, lobt Kühn den langjährigen Unterstützer.

Die Tafel am Thomas-Müntzer-Platz 1 erhält regelmäßig Lebensmittelspenden von verschiedenen Marktbetreibern der Umgebung, teilweise mehrmals wöchentlich. Obwohl Februar, März und April traditionell schwächere Spendenmonate sind, konnte bisher niemand mit leeren Taschen weggeschickt werden. Ein Nummernsystem sorgt für gerechte Verteilung und vermeidet Streitigkeiten bei der Lebensmittelausgabe.

Ehrenamtliche als Rückgrat der Hilfe

Kerstin Kühn betont die Bedeutung der Zuverdienstkräfte und Ehrenamtlichen, unter denen sich auch viele Menschen mit Migrationshintergrund befinden. „Das hilft bei der Verständigung“, erklärt sie. Mit einem politischen Appell wendet sie sich an die Regierung: „Über Rentenpunkte fürs Ehrenamt nachzudenken – damit wäre den Helfern am meisten geholfen.“

Die Tafel-Leiterin ermutigt ausdrücklich alle Menschen in Not, den Weg zur Einrichtung zu finden: „Bei uns muss sich niemand schämen.“ In einer Zeit, in der die Inflation besonders bei Nahrungsmitteln spürbar wird, stellt die Tafel Prenzlau eine wichtige Stütze für die bedürftige Bevölkerung dar.

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