Verfassungsschutz warnt vor neuen Anschlägen pro-iranischer Terrorgruppe
Verfassungsschutz warnt vor pro-iranischen Anschlägen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat eine dringende Warnung vor einer neuen Terrorgruppe ausgesprochen, die offenbar schwere Anschläge in Europa plant. Es wird angenommen, dass die Gruppierung Anschläge mit Sprengstoff oder Waffen verüben will. Dabei handelt es sich um die pro-iranische Organisation Harakat Aschab al-Jamin al-Islamija, kurz HAYI. Seit dem 9. März hat sich die Gruppe zu mehreren Angriffen auf jüdische und US-amerikanische Einrichtungen in verschiedenen europäischen Ländern bekannt.

Neue Dimension der Bedrohung

Das Bundesamt für Verfassungsschutz erklärte gegenüber dem „Handelsblatt“, dass die Warnung neu sei, weil HAYI ankündige, sich nicht mehr nur auf „einfache“ Angriffe zu beschränken, sondern langfristig auch gefährlichere Tatmittel einzusetzen. Die bisherigen Taten fanden jeweils in den Nacht- oder frühen Morgenstunden statt, wobei niemand verletzt wurde. Betroffen waren vor allem Einrichtungen in den Benelux-Staaten und Großbritannien. Die Behörde befürchtet nun, dass die Anschläge gefährlicher werden könnten. Die Warnung bezieht sich auch auf Deutschland.

Informationslage noch dünn

Da die Terrorgruppe erst seit etwa einem Monat bekannt ist, ist die Informationslage noch recht dünn. Der Verfassungsschutz vermutet hinter der Gruppierung ein irakisch-schiitisches und pro-iranisches Netzwerk. HAYI benenne klar ihre politische Motivation hinter den Taten und drohe offen israelischen Einrichtungen sowie den sogenannten „Feinden des Islams“ in Europa. Bei den Tätern soll es sich in mehreren Fällen mutmaßlich um junge Menschen handeln, die über soziale Netzwerke angeworben wurden und die Anschläge für geringe Geldsummen ausgeführt haben sollen.

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Ermittlungen in Deutschland

Auch deutsche Ermittler verfolgen diese Spur nach einem Anschlag auf ein israelisches Restaurant in München in der Nacht vom 10. April. Die Hinweise haben sich mittlerweile verdichtet, dass es sich bei den Drahtziehern um die pro-iranischen Terroristen handeln könnte. Der Terrorismusexperte Peter Neumann (51) vom Londoner King's College wies gegenüber dem Schweizer TV-Sender SRF darauf hin, dass die iranischen Revolutionsgarden seit einiger Zeit in Europa solche Anschläge propagieren würden. Die Vorgehensweise sei dabei immer sehr ähnlich. Auch deutsche Sicherheitspolitiker vermuten einen Zusammenhang mit dem Iran-Krieg.

Politiker reagieren besorgt

Die Häufung der jüngsten Vorfälle sei „eng mit der Eskalation des Irankonflikts verknüpft“, sagte der Vorsitzende des Geheimdienste-Kontrollgremiums im Bundestag, Marc Henrichmann (49, CDU), dem „Handelsblatt“. Politiker reagierten besorgt auf die Entwicklung. Konstantin von Notz (55, Grüne) warnte im „Handelsblatt“ vor einer „neuen Dimension der Bedrohung“ und bezeichnete die Terroristen als „Wegwerf-Agenten“ des Iran-Regimes. Von Notz: „Das iranische Regime nutzt seine Anhänger und Verbündeten in Europa, um jüdische und israelische Einrichtungen bedrohen und angreifen zu lassen.“

Alternative Möglichkeit: Fassade

Es gibt allerdings auch noch eine weitere Möglichkeit: HAYI könnte nur als Fassade dienen, um von den tatsächlichen Auftraggebern abzulenken. Experten des „International Centre for Counter-Terrorism“ verwiesen auf Ungereimtheiten bei Bekennerschreiben und Kommunikationsmustern. Doch auch wenn die Drahtzieher noch unbekannt sind, die Bedrohung ist real.

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