35 Jahre nach dem Mord: Die Hetzjagd auf Treuhand-Chef Karsten Rohwedder
Mord an Karsten Rohwedder: 35 Jahre danach

35 Jahre nach dem tödlichen Attentat: Die Hetzkampagne gegen Karsten Rohwedder

Im Frühjahr vor 35 Jahren verübten Terroristen der Roten Armee Fraktion (RAF) ein folgenschweres Attentat. Sie erschossen den damaligen Chef der Treuhandanstalt, Karsten Rohwedder, in seinem Wohnhaus in Düsseldorf. Der Manager wurde zum Ziel einer systematischen Hetzkampagne, die ihn für die wirtschaftlichen Missstände der untergegangenen Deutschen Demokratischen Republik (DDR) haftbar machen wollte.

Der tödliche Schuss aus dem Garten

Die Tat ereignete sich in der Nacht zum 1. April 1991. Karsten Rohwedder hatte sich in seinem Arbeitszimmer im zweiten Stock seines Hauses aufgehalten. Von einem benachbarten Gartengrundstück aus feuerte ein Schütze des RAF-Terrorkommandos mehrere Schüsse ab. Eine Kugel traf Rohwedder tödlich, als er gerade von seinem Schreibtisch aufgestanden war. Die Ermittler fanden später Hinweise auf eine minutiös geplante Tat, bei der die Täter Rohwedders Routinen genau studiert hatten.

Vom erfolgreichen Manager zum politischen Buhmann

Karsten Rohwedder war keineswegs ein unbeschriebenes Blatt in der deutschen Wirtschaft. Vor seiner Tätigkeit bei der Treuhandanstalt hatte er als Vorstandsvorsitzender des Dortmunder Stahlkonzerns Hoesch große Erfolge erzielt. Unter seiner Führung wurde das traditionsreiche Unternehmen zwar schmerzhaft verschlankt – etwa die Hälfte der Belegschaft musste gehen – doch Rohwedder formte Hoesch zu einem profitablen Technologiekonzern um. Diese harten, aber notwendigen Entscheidungen prägten seinen Ruf als durchsetzungsstarker Sanierer.

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Genau dieser Ruf wurde ihm jedoch zum Verhängnis, als er 1990 den Vorsitz der Treuhandanstalt übernahm. Diese Behörde war mit der schwierigen Aufgabe betraut, die maroden volkseigenen Betriebe der DDR zu privatisieren oder stillzulegen. Rohwedder stand plötzlich im Zentrum einer emotional aufgeladenen Debatte. Viele Ostdeutsche machten ihn persönlich für Arbeitsplatzverluste und wirtschaftliche Unsicherheit verantwortlich.

Die systematische Diffamierungskampagne

In den Monaten vor dem Attentat eskalierte die Stimmung gegen Rohwedder. Medienberichte und politische Gegner stilisierten ihn zum Sündenbock für die wirtschaftlichen Probleme der Wiedervereinigung. Es kursierten Vorwürfe, er führe eine rücksichtslose Abwicklungsstrategie im Osten durch, ähnlich wie einst bei Hoesch im Westen. Tatsächlich sah sich Rohwedder mit einer beispiellosen öffentlichen Anfeindung konfrontiert, die seine Arbeit bei der Treuhand massiv erschwerte.

Die RAF nutzte diese aufgeheizte Atmosphäre für ihre propagandistischen Zwecke. In einem Bekennerschreiben bezeichneten die Terroristen Rohwedder als „Symbol der Ausbeutung“ und rechtfertigten den Mord als politische Aktion. Historiker sehen heute klar, dass die Hetzkampagne den Boden für die Tat bereitete. Rohwedder wurde zum Opfer einer doppelten Gewalt: der physischen Gewalt der Schusswaffe und der psychischen Gewalt der öffentlichen Diffamierung.

Das schwierige Erbe der Treuhand

Der Mord an Karsten Rohwedder markierte einen tragischen Höhepunkt in der Geschichte der deutschen Wiedervereinigung. Die Treuhandanstalt blieb auch nach seinem Tod eine umstrittene Institution, die bis heute kontrovers diskutiert wird. Während einige die schnelle Privatisierung als notwendigen Schritt zur Integration der ostdeutschen Wirtschaft verteidigen, kritisieren andere soziale Härten und wirtschaftliche Verwerfungen.

Rohwedders persönliche Geschichte steht exemplarisch für die Konflikte dieser Übergangszeit. Sein beruflicher Erfolg beim Stahlkonzern Hoesch konnte ihn nicht vor der politischen Instrumentalisierung schützen. Die Ereignisse vor 35 Jahren werfen ein grelles Licht auf die Gefahren, wenn komplexe wirtschaftliche Prozesse auf einfache Schuldzuweisungen reduziert werden. Die Erinnerung an Karsten Rohwedder mahnt daher zu einer differenzierten Betrachtung historischer Umbruchphasen.

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