Kriminalstatistik 2025: Weniger Straftaten, aber mehr Gewalt unter Kindern
Kriminalstatistik: Weniger Straftaten, mehr Gewalt bei Kindern

Kriminalitätsentwicklung 2025: Gemischte Bilanz mit besorgniserregenden Trends

Die aktuelle Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) für das Jahr 2025 präsentiert eine gemischte Bilanz der Sicherheitslage in Deutschland. Während die Gesamtzahl der Straftaten deutlich zurückgegangen ist, bereitet die Entwicklung bei gewalttätigen Kindern weiterhin große Sorgen. BKA-Präsident Holger Münch betont zwar eine Verbesserung des Sicherheitsgefühls in der Bevölkerung, doch bestimmte Entwicklungen erfordern besondere Aufmerksamkeit.

Rückgang der Gesamtkriminalität mit bedeutenden Ausnahmen

Insgesamt registrierte die Polizei im vergangenen Jahr rund 5,5 Millionen Straftaten – ein Rückgang um 5,6 Prozent gegenüber 2024. Ohne ausländerrechtliche Verstöße betrug der Rückgang 4,4 Prozent. Besonders deutlich fiel der Rückgang bei Rauschgiftdelikten aus, die um 27,7 Prozent abnahmen. Dieser Effekt geht maßgeblich auf die Teillegalisierung von Cannabis im April 2024 zurück.

Ebenfalls deutlich zurückgegangen sind Verstöße gegen das Aufenthalts-, Asyl- und EU-Freizügigkeitsgesetz – um über 28 Prozent. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) führt dies auf intensivierte Grenzkontrollen und Änderungen bei den Fluchtursachen zurück, darunter den Machtwechsel in Syrien.

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Dennoch verzeichnete die Polizei in mehreren Bereichen Zuwächse: Leistungsbetrug stieg um 11,5 Prozent, Mord, Totschlag und Tötung auf Verlangen um 6,5 Prozent sowie Sexualstraftaten um 8,5 Prozent. Das BKA weist darauf hin, dass sich die Zunahme der Tötungsdelikte innerhalb der regelmäßig zu beobachtenden Schwankungen bewege. 79 der in der Statistik aufgeführten Mordfälle seien einem Berliner Fall zuzurechnen, bei dem ein ehemaliger Palliativmediziner im Verdacht steht, schwer kranke Menschen getötet zu haben.

Besorgniserregende Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen

Besondere Aufmerksamkeit erfordert die Entwicklung bei Kindern und Jugendlichen. Die Zahl der Kinder, die durch Gewaltkriminalität auffielen, stieg um 3,3 Prozent auf rund 14.200 Tatverdächtige. Zwar fiel dieser Anstieg weniger stark aus als im Vorjahr (plus 11,3 Prozent), doch bleibt die Tendenz alarmierend.

Bei Straftaten insgesamt – ohne ausländerrechtliche Verstöße – sind Jungen im Alter zwischen 8 und 13 Jahren zuletzt die einzige Gruppe gewesen, bei der die Tatverdächtigenbelastungszahl im Vergleich zum Vorjahr stieg. Diese Kenngröße gibt Aufschluss darüber, wie viele Tatverdächtige auf 100.000 Einwohner einer bestimmten Bevölkerungsgruppe kommen.

Das BKA verweist auf Studien, die psychische Belastungen durch mehr "Zukunftsängste angesichts multipler Krisen" als mögliche Ursache nennen. Nicht genügend erforscht sei bisher ein möglicher Zusammenhang zwischen der Nutzung bestimmter Social-Media-Angebote durch Kinder und Jugendliche und der Wahrscheinlichkeit straffälligen Verhaltens.

Politische Debatten und neue Kategorien

Die Entwicklung bei jungen Straftätern hat eine politische Debatte über die Strafmündigkeit ausgelöst. Mehrere Politiker, vor allem aus der CDU, haben sich offen für eine Diskussion über eine Herabsetzung der Altersgrenze von derzeit 14 Jahren gezeigt. Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) hält davon nichts. Sie sagt, es sei eine Illusion, dass sich potenzielle Täter allein durch schärfere Strafen abschrecken ließen.

Eine neue Kategorie in der Statistik sind Messerangriffe. Bei insgesamt rund 29.200 Straftaten wurde im vergangenen Jahr ein Messer verwendet, was im Vergleich zum Vorjahr einen leichten Anstieg um 0,8 Prozent bedeutet. Messerangriffe im Sinne der Statistik sind "Tathandlungen, bei denen der Angriff mit einem Messer unmittelbar gegen eine Person angedroht oder ausgeführt wird".

Dunkelfeldstudie zeigt unterschiedliche Betroffenheit

Eine zeitgleich veröffentlichte Dunkelfeldstudie zur Kriminalitätsbelastung zeigt, dass der Anteil der Menschen, die Opfer von Cyberkriminalität (18 Prozent), Diebstahl (12,7 Prozent) und Betrug (12,6 Prozent) werden, relativ hoch ist. Die Studie, für die 2024 Daten erhoben wurden, belegt auch, dass 16- und 17-Jährige am stärksten von Körperverletzung betroffen sind (8,5 Prozent). Mit steigendem Alter sinkt der Anteil stetig und liegt unter den über 84-Jährigen bei 0,2 Prozent.

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Deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt es bei bestimmten Gewaltdelikten. Während 11,2 Prozent der Frauen angaben, binnen eines Jahres Opfer sexueller Belästigung geworden zu sein, waren es unter den Männern 2,9 Prozent. Männer waren dagegen häufiger von Körperverletzung betroffen (3,1 Prozent) als Frauen (zwei Prozent).

Kontroverse um migrationsbezogene Interpretationen

Die Interpretation der Statistik im Zusammenhang mit Migration bleibt kontrovers. Der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger insgesamt lag bei 35,5 Prozent und damit in etwa auf dem Niveau des Vorjahres (35,4 Prozent). Ausländerrechtliche Verstöße sind hier nicht berücksichtigt.

Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz, Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), betont, unter Geflüchteten seien junge Männer überrepräsentiert – eine Gruppe, die generell eine höhere Kriminalitätsneigung zeige als andere gesellschaftliche Gruppen. Die Bundesvorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland (TGD), Mehtap Caglar, kritisiert: "Die Veröffentlichung des polizeilichen Tätigkeitsberichts wird immer dazu genutzt, Stimmung gegen Menschen mit Migrationsgeschichte zu machen."

Trotz der gemischten Entwicklungen zeigt sich BKA-Präsident Holger Münch erfreut über das allgemeine Sicherheitsgefühl. Dieses sei tagsüber inzwischen sehr hoch und nachts besser als bei einer früheren Befragung. Die komplexe Statistik verdeutlicht jedoch, dass neben den positiven Trends weiterhin erhebliche Herausforderungen bestehen bleiben.