Systematischer Diebstahl über mehr als zehn Jahre
Über ein ganzes Jahrzehnt hinweg soll ein Ehepaar aus dem Allgäu systematisch Münzen aus Parkscheinautomaten entwendet haben. Die Gesamtbeute beläuft sich auf rund 1,9 Millionen Euro. Die Staatsanwaltschaft Kempten hat nun Anklage gegen die beiden erhoben. Der 40-jährige Mann, der als Mitarbeiter der Stadt Kempten beschäftigt war, soll zwischen 2020 und 2025 etwa 1,34 Millionen Euro abgezweigt haben. Seine 38-jährige Ehefrau unterstützte ihn dabei aktiv.
Frühere Diebstähle sind bereits verjährt
Bereits ab dem Jahr 2015 sollen die beiden rund 584.000 Euro gestohlen haben. Diese früheren Vergehen sind jedoch inzwischen verjährt, sodass eine strafrechtliche Verurteilung dafür nicht mehr möglich ist. Dennoch hat die Staatsanwaltschaft die Einziehung von Vermögen in dieser Höhe beantragt. Oberstaatsanwalt Thomas Hörmann erläuterte dazu, dass die Angeschuldigten die finanziellen Vorteile aus diesen Taten trotz der Verfolgungsverjährung nicht behalten dürfen.
Die perfekte Tarnung durch den städtischen Job
Der 40-Jährige nutzte seine berufliche Position bei der Stadt Kempten optimal aus. In seiner Funktion war er für das Leeren der Parkscheinautomaten zuständig und hatte somit direkten Zugriff auf die Schlüssel und Geldkassetten. In mindestens 840 Fällen über mehr als zehn Jahre hinweg soll er Münzgeld abgezweigt haben. Davon sind 335 Fälle aus dem nicht verjährten Zeitraum Gegenstand der aktuellen Anklage.
So flog der Betrug schließlich auf
Im November des vergangenen Jahres wurde der Betrug aufgedeckt. Eine Bank meldete verdächtige Bargeldeinzahlungen auf den Konten des Ehepaares und schaltete aufgrund von Geldwäscheverdacht die Ermittler ein. Die Spur führte direkt zu den beiden Beschuldigten. Seit ihrer Festnahme im November – also seit bereits vier Monaten – befinden sich beide in Untersuchungshaft.
Verwendung der gestohlenen Gelder
Die erbeuteten Münzen landeten entweder direkt auf den Konten des Paares oder wurden im Supermarkt gegen Gutscheine eingetauscht. Mit diesen Gutscheinen bezahlten sie anschließend ihre regulären Einkäufe, was eine weitere Verschleierung der illegalen Herkunft des Geldes ermöglichte.
Konsequenzen und nächste Schritte
Der Fall liegt nun beim Landgericht Kempten, wo die Richter entscheiden müssen, ob es zu einem Prozess kommt. Die Stadt Kempten hat bereits Konsequenzen gezogen: Neue Schlösser wurden installiert, die Kontrollen wurden intensiviert, und ein externer Dienstleister übernimmt nun die Wartung und Leerung der Parkautomaten. Diese Maßnahmen sollen künftige Diebstähle verhindern und die Sicherheit der städtischen Einnahmen gewährleisten.



