Crans-Montana-Brand: Gemeindepräsident nach Feuer mit 41 Toten vernommen
Gut drei Monate nach dem verheerenden Silvesterparty-Brand im Schweizer Skiort Crans-Montana, bei dem 41 Menschen ums Leben kamen, muss sich nun auch der Gemeindepräsident Nicolas Féraud den Ermittlungen stellen. Die Staatsanwaltschaft führt ihn neben dem Betreiberpaar der Bar und mehreren Sicherheitsbeauftragten als Beschuldigten und ermittelt wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung sowie fahrlässiger Brandstiftung.
Schwere Vorwürfe und Versäumnisse bei Brandschutz
Féraud hatte bereits am 6. Januar schwerwiegende Versäumnisse eingeräumt, wie der Opferanwalt Sébastien Fanti gegenüber der Nachrichtenagentur Keystone-SDA kritisierte. Der Gemeindepräsident gestand ein, dass in der Bar „Le Constellation“ seit 2019 keine Brandschutzkontrollen mehr stattgefunden hatten, obwohl diese eigentlich jährlich vorgeschrieben sind. Fanti beanstandete das schleppende Verfahren und betonte, dass seit dem Unglück mit überwiegend sehr jungen Todesopfern zu viel Zeit vergangen sei.
Hintergrund der Katastrophe und Ermittlungen
Der Brand brach in den frühen Morgenstunden des 1. Januar aus, als funkensprühende Partykerzen Schallschaumstoff an der Decke der Bar entzündeten. Das Feuer breitete sich rasend schnell aus, und viele der Besucher schafften es über eine enge Treppe nicht rechtzeitig ins Freie. Neben den 41 Todesopfern wurden mehr als 100 Menschen verletzt, etwa 80 davon so schwer, dass sie teils wochenlang im Krankenhaus behandelt werden mussten. Das letzte von neun im Kinderspital in Zürich behandelten Opfern verließ die Klinik erst nach Ostern, und viele mit schweren Verbrennungen stehen noch monate- oder jahrelange Behandlungen bevor.
Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, inwiefern regelmäßige Brandschutzkontrollen die Katastrophe hätten verhindern können. Anwälte der Barbetreiber Jessica und Jacques Moretti bestreiten jedoch, dass der Brandschutz in der Bar vernachlässigt wurde. Sie sind bereits mehrfach verhört worden und gegen Kaution auf freiem Fuß.
Großer Andrang bei Anhörungen und logistische Herausforderungen
Wegen der vielen Anwälte der Opfer, die an den Anhörungen teilnehmen wollen, hat die Staatsanwaltschaft eigens eine Aula auf dem Bildungscampus Energypolis in Sitten (Sion) angemietet. Dies unterstreicht die Komplexität und das öffentliche Interesse an dem Fall, der weiterhin die Region und die Opferfamilien beschäftigt.



