Collien Fernandes (44) wirkt stark, souverän und professionell. Doch die vergangenen Wochen haben tiefe Spuren hinterlassen. In einem Video-Interview mit der Süddeutschen Zeitung spricht der Traumschiff-Star aus Asien mit den Autoren Joshua Beer und Hannah Wilhelm und gewährt sehr persönliche Einblicke in ihr Seelenleben.
Fernandes spricht über „Belastung“
Vor rund fünf Wochen machte Fernandes öffentlich, was sie jahrelang belastete. 2024 hatte sie erstmals Anzeige erstattet. Der Grund: digitale Gewalt, Identitätsmissbrauch und Sex-Chats unter ihrem Namen. Besonders schlimm für sie: Hinter den Taten soll ihr Ex-Mann, TV-Star Christian Ulmen (50), stecken. In ihrem Namen soll er mit Männern intime Nachrichten ausgetauscht haben. Pikant: Er soll sich geweigert haben, die Namen der Männer preiszugeben, mit denen er angeblich in ihrem Namen Kontakt hatte.
„Das hat mich extrem belastet“, erzählt Fernandes der SZ. Für sie sei das mehr als nur ein Vertrauensbruch gewesen. Es sei eine permanente Bedrohung gewesen. „Ich kann ja nicht weiter in der Branche rumlaufen mit der Angst, an jeder Ecke jemanden zu treffen, mit dem ich, ohne mein Wissen, eine sexuelle Online-Affäre hatte.“
Die Folge: Angstzustände, Panikattacken – und ein Gefühl völliger Kontrolllosigkeit. Noch deutlicher wird sie bei der Beschreibung dessen, was sie weiter erlebt.
Der Vorwurf der Deepfakes
Im Spiegel hatte Fernandes erzählt, dass Ulmen Videos von Frauen verschickte, die ihr ähnlich sahen. In der Berichterstattung ging es auch um Deepfakes. Ulmens Anwalt bestritt diesen Deepfake-Punkt in einem Schreiben, äußerte sich zu anderen Vorwürfen aber nicht. Fernandes über die thematische Vermischung: „Jetzt, nach der Pressemitteilung seines Anwalts, glauben einige, mir sei widersprochen worden, damit sei ja klar, dass ich lüge.“ Weiter: „Ich empfinde das als krassen Psycho-Terror vonseiten meines Ex-Manns.“
Fernandes schildert ausführlich, wie ihr Ex-Partner angeblich täuschend echte Fake-Profile erstellt habe. Mit Insiderwissen aus ihrer Beziehung. Er wusste, wann sie dreht, wen sie mag, welche Konflikte sie hat. Genau das habe ihn, so Fernandes, zur „authentischsten Fake-Collien“ gemacht.
Einsamkeit und der Schritt an die Öffentlichkeit
Wie groß der Druck auf Fernandes war und aktuell ist, wird deutlich, wenn sie erzählt, dass sie sich zunächst lange kaum jemandem anvertrauen konnte. Selbst Gespräche mit Freundinnen habe sie aus Angst unterlassen. Erst ihre Schwester, ihre Therapeutin und enge Vertraute hätten sie schließlich ermutigt, den Schritt zu gehen – und den Fall öffentlich zu machen. Auch aus ihrem Umfeld kam klar die Botschaft: „Das kannst du nicht mit dir alleine ausmachen, das musst du anzeigen.“
Hass und Unterstützung
Ein mutiger Schritt mit Folgen. Denn seitdem schlägt ihr nicht nur Unterstützung entgegen, sondern auch Hass. Tausende Nachrichten, Drohungen, Zweifel. Bei einer Demo gegen digitale Gewalt musste sie nach eigenen Angaben in kugelsicherer Weste auftreten. Trotz allem bereut sie den Schritt nicht. Viele Frauen hätten sich bei ihr gemeldet, mit ähnlichen Geschichten. Das habe ihr gezeigt, dass sie nicht alleine ist.
Die vergangenen Wochen haben viel Kraft gekostet. Collien Fernandes im SZ-Interview: „Mir ging es vor der Anzeige besser als jetzt.“ Und weiter: „Auch das schilderten mir viele Frauen: Der erste Schmerz sei die Tat, der zweite die Stigmatisierung, die folgt, sobald man den Mund aufmacht. Man sei eine rachsüchtige Ex, die lügt, und so weiter. Ich glaube, deswegen sind so wahnsinnig viele wütende Frauen – und auch einige Männer – auf die Straße gerannt. Nicht nur meinetwegen.“
Ob sie Männern noch vertrauen könne? Fernandes: „Ich habe das Gefühl, dass ich meinen ehemaligen Ehepartner erst nach vielen Jahren richtig kennengelernt habe, eigentlich erst nach 15 Jahren.“ Fernandes will weiter kämpfen. Nicht nur für sich, auch für andere Betroffene. Mittlerweile kümmert sich die Staatsanwaltschaft in Potsdam um den Fall.



