Bamberger Bitcoin-Prozess: 7,5 Jahre Haft für Chef einer internationalen Betrügerbande
Bitcoin-Betrug: 7,5 Jahre Haft für Bandenchef in Bamberg

Urteil im spektakulären Bitcoin-Betrugsprozess: 7,5 Jahre Haft für Bandenchef

Schwere Bewaffnung, strenge Einlasskontrollen und ein striktes Fotografierverbot prägten den Prozessauftakt vor dem Landgericht Bamberg. Jetzt ist das Urteil in einem der größten Betrugsverfahren Deutschlands gefallen: Der israelisch-georgische Staatsangehörige Mikheil B. (50) wurde wegen gewerbs- und bandenmäßigen Betrugs in zwei Fällen zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von sieben Jahren und sechs Monaten verurteilt. Zusätzlich ordnete das Gericht die Einziehung von Taterträgen in Höhe von rund 2,4 Millionen Euro an.

Die perfide Masche der internationalen Betrügerbande

Nach insgesamt elf Verhandlungstagen in Bayern fiel das historische Urteil. Der Angeklagte zeigte sich im Rahmen einer Verständigung vollumfänglich geständig und entschuldigte sich in seinem letzten Wort bei den zahlreichen Opfern. Das Ausmaß des angerichteten Schadens ist gigantisch und reicht weit über deutsche Grenzen hinaus. Von Januar 2017 bis Mai 2019 baute Mikheil B. ein professionelles Callcenter in Albanien auf – mit zeitweise bis zu 600 Mitarbeitern, die systematisch Anleger betrogen.

Die perfide Masche funktionierte nach einem ausgeklügelten System: Nach der Registrierung bei fingierten Online-Plattformen wurden potenzielle Anleger sofort telefonisch kontaktiert. Mit geschultem Smalltalk und ausgefeilten Psychotricks wurde gezielt Vertrauen aufgebaut. Das einzige Ziel: möglichst hohe Investitionen von ahnungslosen Opfern zu erlangen.

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Richter spricht Klartext: „Das Blaue vom Himmel gelogen“

Der Vorsitzende Richter ließ in seiner Urteilsbegründung keine Zweifel an der Schwere der Taten: Den Geschädigten sei „das Blaue vom Himmel gelogen“ worden. Laut Gericht verloren manche Opfer ihre gesamten Ersparnisse – Existenzen wurden systematisch zerstört. Das eingezahlte Geld wurde niemals investiert, angezeigte Gewinne waren reine Simulationen, und Rückzahlungen waren von Anfang an ausgeschlossen.

Spezielle Betrugssoftware für weltweiten Millionenschaden

Doch damit nicht genug! Mikheil B. entwickelte zusätzlich eine spezielle Betrugs-Software, die Fake-Trading-Plattformen betrieb und täuschend echt wirkte. Nach seinem Ausstieg aus dem operativen Geschäft stellte er diese hochgefährliche Technik anderen Tätergruppen gegen Bezahlung zur Verfügung – inklusive umfangreichem technischem Support. Insgesamt sollen rund 400 Fake-Plattformen mit dieser Software betrieben worden sein.

Durch die Nutzung dieser Technologie durch weitere Tätergruppierungen entstand ein zusätzlicher Schaden in Höhe von rund 42 Millionen Euro, der dem Angeklagten ebenfalls zugerechnet wurde. Die Gesamtzahlen sind schwindelerregend: mindestens 180 Millionen Euro Gesamtschaden weltweit, der durch diese kriminelle Organisation verursacht wurde.

Sechsjährige Ermittlungen und spektakuläre Razzia

Bei einer großangelegten Razzia hatten Ermittler zuvor 500 Computer, zahlreiche Handys und umfangreiche Unterlagen beschlagnahmt. Konten wurden eingefroren, Bargeld sichergestellt und Bitcoin-Wallets gesperrt. Vermögenswerte in zweistelliger Millionenhöhe konnten so gesichert werden.

Die Ermittlungen der bayerischen Cybercrime-Stelle dauerten insgesamt sechs Jahre an. Im Jahr 2023 wurde Mikheil B. schließlich in Armenien festgenommen und nach Deutschland ausgeliefert. Seitdem sitzt der Bandenchef in Untersuchungshaft, die nun in die verbüßte Strafe übergeht.

Das Urteil markiert einen wichtigen Erfolg im Kampf gegen internationale Cyberkriminalität und sendet ein deutliches Signal an organisierte Betrügerbanden. Die Aufarbeitung der komplexen Tatvorwürfe erforderte umfangreiche Ermittlungen und eine minutiöse Beweisaufnahme vor Gericht.

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