Heimatkolumne: Spielplatzbesuch zeigt Wandel in MV
Spielplatzbesuch zeigt Wandel in MV

In Mecklenburg-Vorpommern hat sich in den letzten Jahren einiges verändert. Bei einem Besuch auf dem Spielplatz am Stargarder Tor in Neubrandenburg wird mir dies besonders bewusst. Ich sehe die Mütter mit Kopftuch auf dem Spielplatz und komme ins Grübeln.

Ein Spielplatz als Spiegel der Gesellschaft

Ich habe viele Jahre in Berlin gelebt. Im Norden Pankows waren die Spielplätze oft sehr voll. Zurück in MV habe ich mich oft gefragt, warum die Spielplätze hier oft kaum besetzt sind. Klar, Familien mit Eigenheim haben oft ihr eigenes Spielparadies im Garten. Aber auch in anderen Gegenden ist es manchmal merkwürdig still. Ich bin nicht selten der einzige Erwachsene vor Ort.

Anders ist das auf dem großen Spielplatz am Stargarder Tor, auf dem Gelände des ehemaligen Filmpalasts in Neubrandenburg. Hier herrscht reges Treiben. Mein Sohn liebt es, dorthin zu gehen, weil er neue Freunde findet. Vor wenigen Tagen waren wir wieder da – und ich habe mich bei einem merkwürdigen Gedanken ertappt.

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Eine schwarze Familie betritt den Spielplatz

Genau in dem Moment, als eine schwarze Familie den Spielplatz betrat. Der kleine Lockenschopf auf dem Arm seines Vaters strahlte und lachte in freudiger Erwartung. Seine großen Brüder nahmen lässig auf den großen Steinen Platz. Ich saß auf der Bank und pausierte. Meine Tochter spielte im Sand, mein Sohn erkundete das Ufer des Lindebachs. Mir gegenüber saßen bereits mehrere muslimische Mütter. Sie unterhielten sich angeregt, die Kinder vergnügten sich.

Ich kam ins Überlegen und dachte an meine Schulzeit zurück. Am Sportgymnasium hatten wir einen sogenannten Quoten-Schwarzen, wie er damals despektierlich genannt wurde. Er spielte – natürlich – Basketball. Am Lessinggymnasium gab es einen Schüler, dessen Vater seine Wurzeln im Libanon hatte. Das war's.

Realitätsfremde Kindheit in MV

Ganz ehrlich: Wir, ich bin Jahrgang 1986, sind damals völlig realitätsfremd aufgewachsen. Deutschland war und ist ein Einwanderungsland. MV war damals nicht ansatzweise mit Berlin, Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg zu vergleichen. Das muss auch nicht so sein, aber wir wuchsen weltfremd auf. Dieser Unterschied hält sich bis heute. Doch die Migrationsbewegungen ab 2015, samt flüchtlingsfreundlichem Oberbürgermeister Silvio Witt, und der Ukraine-Krieg seit 2022 haben auch in Neubrandenburg etwas verändert.

Der Ausländeranteil steigt deutlich

Das belegen auch die Zahlen. 1995 gab es bei knapp 80.000 Einwohnern gerade mal 418 Ausländer in der Stadt – ein Anteil von 0,5 Prozent. Auch 2005 betrug der Anteil nur 1,6 Prozent. 2015 waren es vier, 2020 dann sechs Prozent. Bis 2025 wuchs der Anteil auf 11,2 Prozent. Deutschlandweit sind es knapp 15 Prozent. So nähert sich eine Stadt mitten in MV der Lebenswirklichkeit in Deutschland an.

Ja, das Stadtbild hat sich verändert. Leider ist der Begriff seit der Debatte um Friedrich Merz negativ konnotiert. An dieser Stelle meine ich das aber nicht so. Abseits von richtigen und wichtigen Debatten um Ausländerkriminalität oder Integrationsprobleme: Ich habe mich kurz gewundert und dann gelächelt, als ich das bunte Treiben auf dem Spielplatz sah. MV tut auch das gut.

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