CDU-Politiker Philipp Amthor: „Jeder Mann sollte Feminist sein“
In einer bemerkenswerten ARD-Dokumentation hat sich der CDU-Politiker Philipp Amthor klar zum Feminismus bekannt und gleichzeitig tiefe Einblicke in sein Privatleben sowie eine kritische Reflexion seiner Vergangenheit gegeben. Der 33-jährige Staatssekretär im Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung positioniert sich damit in einer gesellschaftspolitischen Debatte, die innerhalb der Union kontrovers diskutiert wird.
Feminismus als konservativer Wert
„Das bin ich auch. Das sollte jeder Mann auch sein“, erklärte Amthor in der Sendung „Konfrontation. Markus Feldenkirchen trifft Philipp Amthor“ ohne Umschweife. Der Politiker betonte jedoch, dass es auf die Definition des Begriffs ankomme. „Aber wenn man sich dafür einsetzt, dass es eine gleichberechtigte Gesellschaft gibt, dann ist das etwas, das für Konservative als Wert genauso wichtig ist.“ Diese Aussage unterstreicht Amthors Versuch, traditionelle konservative Werte mit modernen gesellschaftlichen Forderungen zu verbinden.
Partnerschaft als intellektuelle Bereicherung
Besonders persönlich wurden die Einblicke in seine zweijährige Beziehung mit der Wissenschaftlerin Carlotta Voß, die als Politische Referentin und Publizistin in Berlin tätig ist. Amthor beschrieb ihre Partnerschaft als kontinuierlichen intellektuellen Austausch: „Nicht nur über politisches Geschehen, auch über Theorie, über Geschichte, über politische Philosophie, das ist schon gut, da kann ich auch was lernen.“
Voß bestätigte diesen Eindruck und fügte hinzu: „Ein Großteil unserer Zeit fällt auf die politische Diskussion.“ Dabei streiten sie sich regelmäßig – „eigentlich jedes Wochenende, aber im positiven Sinne einer politischen Diskussion“. Die Wissenschaftlerin lobte besonders Amthors Diskussionsstil: „Weil er wirklich die Ruhe behält, sich tatsächlich in das andere Argument einzudenken.“ Nach öffentlichen Auftritten berate sie ihn konsequent – „nicht manchmal, immer“.
Amthor wiederum schätzt an seiner Partnerin vor allem ihre intellektuelle Schärfe: „Ich finde vor allem das Tolle, dass ich mit ihr eine unglaublich intelligente, schlaue Gesprächspartnerin habe, die wirklich auch meine Interessen fördert.“ Sie habe ihm beispielsweise zu größerer Sensibilität für Ungerechtigkeiten geraten – eine Kritik, die er als „oft nachvollziehbar“ bezeichnet.
Kritische Aufarbeitung der Lobby-Affäre
Ein weiterer Schwerpunkt der Dokumentation war Amthors schonungslose Aufarbeitung seiner Lobby-Affäre aus dem Jahr 2018. Damals hatte der SPIEGEL aufgedeckt, dass Amthor als Bundestagsabgeordneter in einem Brief an den damaligen Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier für das Start-Up-Unternehmen Augustus Intelligence geworben hatte, später einen Direktorenposten und Aktienoptionen des Unternehmens erhielt.
„Maßstab für einen Politiker ist nicht nur die Frage, was juristisch richtig ist“, räumte Amthor nun ein. „Sondern der Maßstab ist auch, was einer moralischen Bewertung standhält. Dort habe ich den völlig falschen Kompass gehabt.“ Er bezeichnete sein Engagement für die Firma als „großen Fehler“ und gestand: „Das hätte ich rückblickend nicht machen sollen. Ich hätte den Brief nicht schreiben sollen, ich hätte auch die Nebentätigkeit nicht übernehmen sollen.“
Aus dem Skandal habe er konkrete Lehren gezogen, betonte der Politiker. Unter anderem habe er gelernt, „dass man eine größere Distanz auch wählen muss zu Nebentätigkeiten. Ich würde derartige Nebentätigkeiten nicht mehr übernehmen.“ Diese selbstkritische Reflexion markiert einen deutlichen Kontrast zu seinem früheren Umgang mit der Affäre.
Dokumentation als Medium der politischen Selbstdarstellung
Die ARD-Sendung „Konfrontation: Markus Feldenkirchen trifft Philipp Amthor“ zeigt den CDU-Politiker in ungewöhnlich privaten und reflektierten Momenten. Die Dokumentation, die sowohl im linearen Fernsehen als auch in der ARD-Mediathek verfügbar ist, ermöglichte Amthor, sein öffentliches Image zu schärfen – sowohl durch das Bekenntnis zum Feminismus als auch durch die schonungslose Aufarbeitung vergangener Fehler.
Diese strategische Öffnung gegenüber den Medien könnte als Versuch gewertet werden, das Image des ambitionierten Jungpolitikers zu festigen und gleichzeitig Brücken zu gesellschaftlichen Gruppen zu schlagen, die der Union traditionell kritisch gegenüberstehen. Die Einblicke in seine Beziehung mit Carlotta Voß unterstreichen zudem das Bild eines Politikers, der intellektuellen Austausch und partnerschaftliche Gleichberechtigung nicht nur theoretisch befürwortet, sondern praktisch lebt.



